16. Halbmarathon Grande Cache

Horseshoe Bay & Bowser, 31.05.2016

Mittlerweile ist es Dienstag Abend, kurz nach 18 Uhr Ortszeit und ich sitze in meinem Golf und warte darauf, dass man uns auf die Fähre nach Vancouver Island lässt. Kann noch etwas dauern, da die Fähre ja erst um 19:30 Uhr ablegen soll. Und da ich nicht untätig warten will, schreibe ich jetzt einfach im Auto den Blogeintrag für Samstag/Sonntag, in dem es vor allem um den Halbmarathon in Grande Cache geht.

Nach dem Besuch des Valley of the 5 Lakes bin ich am Samstag nach kurzem Abstecher in Jasper City weiter nach Grande Cache gefahren. Und siehe da: Auf dem Weg dorthin habe ich nicht nur Elche und Rehe, sondern auch einen Schwarzbären gesehen. Nein, ich habe nicht angehalten und nicht fotografiert. Da waren sowieso schon Massen an Touristen, die auch wieder aus ihren Autos ausgestiegen sind, um möglichst nah zum Fotografieren an die Tiere herankommen zu können. Ich glaube, mittlerweile weiss jeder, was ich darüber denke. Also spare ich mir weitere Kommentare. Die Fahrt nach Grande Cache war aber echt entspannt. Ich habe es genossen, weitestgehend alleine über den Highway zu fahren, die Natur zu geniessen und das Gefühl zu haben, bald WIRKLICH weit weg von der Zivilisation zu sein. Und genau so war es auch, als ich in Grande Cache angekommen bin. Zwar noch irgendwie Zivilisationsgefühl aber auch das Gefühl, echt weit weg zu sein. Neben Grande Cache gibt es da halt in der näheren Umgebung so gar nix mehr richtig ausser Berge rundherum.

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Blick vom Parkplatz vor der Mall in Grande Cache.

Nach dem Abholen meines Race- Packs und dem Einchecken in meiner „Bed&Breakfast“- Unterkunft (siehe vorletzter Blogeintrag) bin ich noch in die Stadt gefahren, habe Geld geholt, etwas gegessen und mir den Start vom Halbmarathon angeguckt. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Geschäfte in der Stadt geschlossen hatten und abgesperrt waren. Wie ich dann erfahren habe, hat auch die örtliche Kohlemine schon geschlossen und die „Stadt“ ist im Moment in ihrer eigenen ökonomischen Krise. Anders als Europa ist Kanada von den niedrigen Energiepreisen erheblich getroffen und hier in Grande Cache sah man das ganz deutlich. Der Kassierer im örtlichen Baumarkt meinte: „Ja, wenn keine Kunden da sind, werden die Geschäfte halt geschlossen“. Wow, Krise hautnah. Nach dem Ausflug in die Stadt bin ich dann zurück zu meiner Unterkunft in der „Wall Street“ (!!!) gefahren, habe den vorletzten Blogeintrag geschrieben und war relativ früh im Bett.

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Wall Street jetzt in Grand Cache (Cash). 🙂

Sonntag hat mich meine Gastgeberin dann mit einem sehr üppigen Frühstück toll in den Tag starten lassen. Ich habe wegen dem Halbmarathon dann aber gar nicht so viel gegessen, da es sich mit vollem Bauch nicht so gut laufen lässt. Kurz vor 9 Uhr war ich auch pünktlich am Start und habe die ersten Marathon- Läufer gesehen, die die Strecke gekreuzt haben. Da habe ich noch gedacht: Mensch, 53 Minuten für 10 Kilometer, das ist für den ersten der Marathon- Läufer mal gar keine so gute Zeit. Wie man sich irren kann…

Pünktlich um 9 Uhr ging es dann auch los und der Lauf hat gehalten was er versprochen hat. Wir sind keine asphaltierte Strecke gelaufen, nur Schotter, Wald und Matsch. Ja, Matsch. Gleich zum Start ging es erstmal einen üblen Berg hinauf und das mit den Steigungen blieb dann auch so während des Laufs. Rauf, runter, rauf, runter, dann mal ne kurze Strecke gerade. Aber insgesamt ein Streckenprofil, bei dem man keinen echten Laufrhytmus finden konnte, weil es in der Strecke keine Kontinuität gab. Und dann war da noch der schmale Grat am Hang, auf dem man gerade so zwei Füße nebeneinander bekam. Zwar ging es nicht so schrecklich steil herunter an der Seite, es war aber schon eher abenteuerlich zu laufen. Interessant waren auch die Waldwege auf dem “Griffith- Trail” und dem “Sulphur- Trail”, die zum Teil mit meterbreiten und tiefen Wasserpfützen durchzogen waren. Vom Profil her habe ich solch eine Strecke bisher noch nicht erlebt. Sehr abenteuerlich, aber auf jeden Fall eine gute Erfahrung. Dafür war das Wetter am Lauftag ganz gut: 6 Grad, kein Regen und zwischendurch Sonne. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten…

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Einer der angenehmeren Laufwege (links), bergauf.
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Blick vom Laufweg ins malerische Tal mit Fluss und Bergen.

Nach dem Start habe ich dann relativ früh die Dummheit besessen, beim bergab- Laufen etwas Gas zu geben. Dabei bin ich prompt mit dem rechten Knöchel umgeknickt. Super, denn die Achillessehne in dem Fuß habe ich eh schonmal angerissen gehabt und merke sie bei grosser Belastung sowieso früher oder später. Nach ein paar Metern hat der Schmerz aber schon wieder etwas nachgelassen, so dass ich dann doch weiter gelaufen bin und fortan besser auf das Gelände vor mir geachtet habe. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel ausmacht, ob man mit dem Fuß auf eine Wurzel auftritt oder auf den weichen Waldboden. Naja, und dieser Vorfall war schon noch deutlich VOR der 10Km- Marke. Die habe ich dann auch erst nach 55 Minuten überquert und da wusste ich dann auch, dass das an dem Tag bestimmt keine Bestzeit geben würde. Der zweite Teil der Strecke war dann nicht ganz so krass hügelig wie der erste Teil, hatte aber doch noch drei bittere Steigungen drin. Am Ende hatte ich dann auch keinen Bock mehr die Steigungen zu laufen und bin dann bergauf nur noch gegangen. Ausserdem habe ich ein paar Fotos von der Umgebung gemacht (siehe oben und unten), mich gut mit Cole aus Edmonton unterhalten und den „Soul Tree“ bestaunt. Also insgesamt etwas entspannter. Cole und ich sind dann den letzten Teil zusammen gelaufen und ich habe versucht, ihn noch etwas zu pushen. Aber auf dem letzten Asphalt- Stück konnte er einfach nicht dranbleiben und wir sind dann etwas zeitversetzt angekommen. Meine Zeit war mit 2:02 auch wirklich schlecht und ich musste innerlich schon etwas grinsen. Hätte ich gewusst, was da auf mich zukommen würde, hätte ich den Halbmarathon in Red Deer vor einer Woche wahrscheinlich weg gelassen und wäre den ersten Teil des Rennes auch ganz anders angegangen. Aber auch so war es eine runde Sache und hat Spaß gemacht. Cole und ich haben dann noch ein Foto gemacht, etwas Chili gegessen, gelabert und sind dann beide aufgebrochen. Was ich aus dem Halbmarathon für mich als Erkenntnisse mitnehme? 1. Das Wetter bei einem Lauf ist schon wichtig, aber das Streckenprofil und die Beschaffenheit der Strecke sind noch deutlich wichtiger. 2. Eine Woche Regenerationszeit zwischen zwei Halbmarathons ist vielleicht etwas zu wenig. 3. Ich muss in Zukunft mal häufiger Strecken mit grösseren Höhenunterschieden laufen. Höhenunterschiede machen mir noch zu grosse Probleme beim Laufen. 4. Im Vergleich zur Death Race war der Mountain Madness Run hier ein Kinderspiel. Wenn ich also zur Death Race will, muss ich noch viel viel trainieren. Ach ja, und noch viel mehr trainieren. Einfach brutal viel trainieren. 🙂

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Der “Soul Tree” mit jeder Menge Schuhen…
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Cole und ich nach dem erfolgreichen Lauf.

Mit meinen B&B Gastgebern hatte ich abgeklärt, dass ich nach dem Lauf noch duschen wollte und das war überhaupt kein Problem. Also habe ich das dann noch gemacht, meine Sachen in Ruhe gepackt und dann wollte ich mich von den beiden verabschieden. Aber keiner war da. Und die Haustür war auch nicht abgeschlossen. Ein echtes Gottvertrauen in den fremden Gast im Haus und in die Nachbarschaft. Ich habe dann meinen Hausschlüssel auf die Ablage gelegt und mich auf den Weg gemacht. Im Nachhinein (ich habe nochmal eine E-Mail geschrieben) habe ich erfahren, dass meine beiden Gastgeber in der Kirche waren als ich gefahren bin. Für sie war aber alles super so wie es gelaufen ist.

Bevor ich zurück nach Jasper gefahren bin, habe ich mir dann an der Tankstelle noch einen Café Mokka geholt und dabei eine echt coole Bekanntschaft gemacht. Kommt mir dort ein Kanadier mit einem „St. Pauli“- Pullover mit dem bekannten Totenkopf- Logo entgegen. Klar musste ich den sofort ansprechen. Wir sind ins Gespräch gekommen und haben uns sehr nett ausgetauscht über Urlaub, Hamburg, Kanada usw. Und er fand St. Pauli halt cool als er da war und hat sich deswegen den Pullover gekauft. Ich hingegen bin da mit meinem gekauften Canada- Pulli rumgelaufen. Verkehrte Welt irgendwie aber schon sehr sehr lustig auf jeden Fall. Nach dem Zusammentreffen habe ich dann aber endgültig Grande Cache in Richtung Jasper verlassen. Insgesamt hat es mir das kleine Städtchen schon irgendwie angetan und ich spiele mit dem Gedanken, dorthin eines Tages auch zurück zu kehren. Vielleicht zur Canadian Death Race 2017. Oder zum Besuch einer der vielen Nationalparks dort in der Nähe. Habe irgendwie im Gefühl, dass ich dort nicht zum letzten Mal war. Hoffentlich.

Von Grande Cache bin ich dann sofort durch gefahren bis zu den Hot Springs in Miette. Die Hot Springs sind so etwas wie ein Thermalbad. Dort wird das heisse, mineralhaltige Wasser aus dem Sulphur Creek für die Besucher in zwei warme Becken geleitet. Und es gibt noch zwei kalte Becken, so dass man halt auch kalt/warm- Wechsel machen kann bei Bedarf. Das habe ich dann auch ein paar Stunden lang gemacht und es hat meinen Beinen und Füssen echt gut getan. Zwar fühle ich noch meinen kaputten rechten Knöchel aber die Muskeln in den Beinen machen überhaupt keine Probleme und Blasen habe ich auch keine. Also insgesamt trotz des fordernden Laufs keine grossartigen Einschränkungen, die mich jetzt von irgendwelchen Aktivitäten auf Vancouver Island abhalten würden.

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Eingang zu den Miette Hot Springs.

Apropos Vancouver Island: Mittlerweile sitze ich nicht mehr im Auto, sondern auf dem Sonnendeck des Schiffs mit meinem Laptop. Noch sind wir nicht abgelegt, aber das kommt gleich noch. Und dann werde ich einfach die Überfahrt geniessen und das ein oder andere Foto mit meinem fast leeren Handy machen. Life is good. Morgen früh schreibe ich dann mal den Blogeintrag über meine Montag/Dienstag- Reise von Jasper über Kamloops nach Horseshoe Bay. Dann dürfte ich langsam wieder im Schreibrhytmus sein und nicht mehr so doll hinterher hängen…

Zum Abschluss des Blog- Eintrags gibt es wie immer auch heute einen Musik- Tipp von mir. Ich habe ganz am Anfang des Blogs schonmal was von der Band „Newdrive“ vorgestellt. Und eigentlich sollte keine Band einen zweiten Slot im Blog bekommen. Für Newdrive mache ich aber eine Ausnahme, da mich die Jungs den ganzen Halbmarathon über nach vorne gepusht haben. Irgendwann in der vierten Schleife des Albums bin ich dann auch im Ziel angekommen. Good job, guys. 🙂 Hört einfach mal in die Lieder der CD auf Amazon rein und guckt ob es was für euch ist. 30 Sekunden pro Lied kann man da einfach so anhören. Das Album lohnt sich, echt!

 Newdrive – Nowhere to run

So, das solls jetzt aber von mir gewesen sein. Ich merke schon den Schiffsmotor und wir legen langsam ab. Herrlich. Muss mal paar Fotos machen gehen und die Fahrt geniessen…. Grüsse aus Kanada an alle!

14. Jasper – Wasserfälle

Grande Cache, Kanada, 28.05.2016.

Bevor ich jetzt den Blogeintrag für Donnerstag schreibe (irgendwie bin ich mit dem Blog ein bisschen hinterher… Werde versuchen, das bis Montag ein bisschen aufzuholen), muss ich kurz beschreiben wo ich bin und wie es hier ist. Grand Cache ist knapp 3 Autostunden von Jasper entfernt und auch für kanadische Verhältnisse ziemlich weit ab vom Schuss. Aber das Dörfchen hat einen sehr eigenen Charme (tolle Berge rundherum!) und es hat mir auf Anhieb gefallen. Ich bin ja eigentlich nur hier, um den Halbmarathon morgen zu laufen. Aber ich glaube, ich werde mir morgen noch ein wenig Zeit nehmen und die ein oder andere Sache hier anschauen. Angekommen bin ich heute am späten Nachmittag und habe mir mein “Race- Packet” im Tourist- Centre abgeholt. Die haben da schon eine Menge reingepackt, inklusive einer Trinkflasche und T-Shirt. Siehe Foto.

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Inhalt des Race- Packets für den Mountain Madness Marathon

Das mit der Flasche ist auch eine tolle Idee, vor allem weil es morgen keine Getränkestationen beim Lauf geben wird. Aber warum auch, es geht ja nur dauernd bergauf- und bergab wie mir gesagt wurde. 🙂 Einfach geil. 😉 Praktisch auch, dass man uns ein Bärenglöckchen mit eingepackt hat aufgrund der Bärengefahr rund um die Laufstrecke. Egal wie es morgen ausgeht, der Lauf hat schon jetzt seinen ganz eigenen Charme und ich finde das echt zum Grinsen. Ich glaube so einen Lauf macht man nicht so häufig im Leben. Wo wir schon bei einer anderen Sache sind, die mir heute ins Auge gefallen ist. Hier gibt es die sogenannte “Canadian Death Race” jeden Juli/August. Das ist ein 125 Kilometer Lauf. Okay, im Moment schaffe ich das mit Sicherheit noch nicht, das weiss ich. Keine Frage. Marathon wäre wohl drin aber ist mir zu langweilig. Vielleicht müsste ich wirklich mal mit der Marathon- Distanz anfangen und gucken wie das so klappt. Aber die Death Race ist vielleicht mal ein Projekt für die Zukunft. Man wird ja noch träumen dürfen. 🙂 Noch bin ich in einem Alter, in dem ich das schaffen kann. Ich war versucht, im Tourist- Centre auch ein paar Merchandising- Artikel von der Death Race zu kaufen aber das wäre einfach zu billig. Glaube sowas darf man erst tragen, wenn man erfolgreich teilgenommen hat. Also habe ich nichts dergleichen mitgenommen. Dafür aber ein paar andere Souvenirs, denn die hatten dort viele schöne, größtenteils auch handgemachte Sachen. Und ausserdem auch eine sehr nett gemachte, kleine Ausstellung über den Ort und seine Geschichte. Nach dem Besuch im Tourist- Centre habe ich dann getankt, mir ein Sandwich bei Subway geholt, den Ort des morgigen Marathon- Starts angeguckt und mein Bed&Breakfast- Zimmer bezogen. Hier hat ein Ehepaar einfach einen modernen Gästeraum mitten im Haus eingerichtet mit allem Schnickschnack (Badewanne, KingSize- Bed, riesiger Flatscreen- TV,…) und genau dort sitze ich jetzt. Ist schon irgendwie zum Schmunzeln wie es im Moment so läuft hier. Kann mich nicht beklagen…. 🙂

Aber jetzt erstmal zurück zum Donnerstag. Morgens habe ich zunächst die Sunwapta Falls besucht und bin dort bis zum unteren Teil der Wasserfälle gewandert. Die Wasserfälle an sich sind wirklich schön und ich habe es auch sehr genossen, dass dort nicht so viele Touristen unterwegs waren. Ja, das Thema hatten wir schon….

 

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Sunwapta Falls, oberer Teil.
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Sunwapta Falls, mittlerer Teil.
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Sunwapta Falls, unterer Teil.

Leider können die Bilder nur sehr beschränkt wiedergeben, wie es dort war. Vor allem die Gischt, das laute Rauschen des Wassers und der Panoramablick rundherum haben diesen Besuch zu einem Erlebnis für alle Sinne gemacht.Das Gleiche gilt auch für die Athabasca- Falls, die ich direkt danach besucht habe. Also jede Menge Wasserfälle an diesem Tag.

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Athabasca- Falls, Hauptwasserfall längs.
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Athabasca- Falls, Hauptwasserfall quer.
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Regenbogen am Athabasca- Fall.
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Rabe am Ufer des Athabasca- Rivers. Er pickt gerade Ameisen aus einem Ameisenhaufen.

Auch wenn die Sunwapta- Falls sicher nicht ganz so spektakulär waren wie die Athabasca- Falls, fand ich doch erstere irgendwie schöner. Liegt vielleicht daran, dass die Athabasca- Falls wirklich eigentlich nur aus diesem einen grossen Wasserfall bestehen und dann nicht mehr viel kommt flussabwärts. Oder es ist deshalb, weil bei den Athabasca- Falls auch wieder jede Menge Touristen waren und man teilweise Schwierigkeiten hatte, vor fotografierenden Leuten irgendwo mal in Ruhe zu stehen und zu gucken. Daher bin ich dann ein wenig flussaufwärts gegangen (dort wo kein Tourist freiwillig hingehen würde, gibt ja nix zu fotografieren da…), habe dort Pause gemacht und mir ein kleines Schauspiel angucken können. Ein Rabe kam zu mir gelaufen und hat anscheinend auf etwas zu Essen spekuliert. Gibt aber nix von mir, blöd gelaufen. Also ist er kurzerhand zu einem Ameisenhaufen gegangen, hat ihn ein bisschen auseinandergepflückt und sich dann ein paar der Tiere einverleibt. Solch ein Verhalten habe ich auch noch nicht von einem Raben gesehen…

Nach dem Besuch der beiden Wasserfällehabe ich mich auf den Weg nach Jasper gemacht. Dort angekommen, bin ich nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt weiter zum Pyramid Lake gefahren, da es noch früh am Nachmittag war und ich noch nicht in den Pine Bungalows einchecken wollte. Am Pyramid Lake bin ich dann wieder ein Stück gewandert und habe mir auch die Insel im Lake angeschaut. Allerdings muss ich sagen, dass der Pyramid Lake mit seiner Insel und dem namensgebenden Berg nicht soooo richtig spektakulär war. Obwohl das schon relativ ist, wenn man Superlative miteinander vergleicht. Der etwas eingetrübte Eindruck kann aber auch dadurch gekommen sein, dass es sehr bedeckt war und es dann auch angefangen hat zu regnen. Insgesamt hatte ich mit dem Wetter in Jasper nicht so viel Glück wie mit dem Wetter in Banff. Aber was kann man da machen? Zum Glück hatte ich keine Blizzards, also will ich mich nicht beklagen. Die Natur war auch mit Wolken am Himmel schön…

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Pyramid Lake mit dem namensgebenden Berg im Hintergrund.
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Insel auf dem Pyramid Lake.

Nach dem Besuch am Pyramid Lake bin ich dann zu den Pine Bungalows gefahren, habe dort eingecheckt und den Rest des Tages mehr oder weniger gechillt. Abends war ich dann noch in Jasper im Supermarkt einkaufen (TEUER!!!) und lecker beim Chinesen essen. Eine grosse Kanne toller China- Tee hat gerade mal 1,50 kanadische Dollar gekostet. Das war mal konkurrenzlos günstig!

Der heutige Musiktipp kommt von einer deutschen Rockband aus Bonn: Deserted. Grundsolider Rock, wobei das Album “Heroes” meiner Meinung nach deutlich besser ist als das “Awake”. Aber das ist Geschmackssache. Der empfohlene Track ist jedenfalls vom “Heroes”- Album:

Deserted – Rewrite History

 

 

 

 

10. Halbmarathon Red Deer

Canmore, Kanada, 22.05.2016

Es ist Sonntag, früh Abends, ich sitze im Hotel “Mountain View” in Canmore, habe die Füsse hochgelegt und schlürfe an einem Becher Captain Morgan/ Cola. Sehr entspannt nach einem solchen Tag. Ja, der Tag hatte es schon etwas in sich. Aufgestanden bin ich um 6 Uhr, um möglichst früh Frühstück im Hotel in Red Deer zu bekommen. Hätte ich gewusst, was mich da erwarten würde, hätte ich lieber ein paar Minuten länger geschlafen. Nach einem Blick aus dem Fenster hatte ich spontan gar keine Lust mehr, den Halbmarathon zu laufen. Das Wetter war richtig schlecht zum Laufen und ich habe mit dem Gedanken gespielt, einfach nicht hin zu gehen. Dann hat mich aber der Ehrgeiz gepackt und ich habe mir gedacht, dass ich noch blöderes Wetter bei so manchem Bundeswehr- Lehrgang hatte und es mit Sicherheit auch dieses Mal überleben würde. Also bin ich nach dem “Frühstück” zum Halbmarathon gefahren, habe schnell einen Parkplatz gefunden und dann auf den Start gewartet. Mit “warm machen” war nix, weil es draussen nette 3 Grad kalt war mit Dauerregen und Wind. Das hat sich auch den ganzen Lauf über mal gar nicht geändert. Blöd an der Sache war dann, dass ich keine lange Laufhose dabei hatte und auch irgendwie nicht an meine Handschuhe gedacht habe. Jaja, die gute Vorbereitung. Sonst eine meiner Stärken, heute halb verpennt. Aber ich habe immerhin meinen Löffler- Pulli dabei gehabt, so dass ich wenigstens vom Oberkörper her gut versorgt war. Und meine Mütze natürlich, die man auch über die Ohren ziehen kann. 🙂 An dieser Stelle muss ich einfach mal Schleichwerbung für den Löffler- Pulli machen. Das Teil habe ich damals 2003 gekauft und es war schweineteuer. Aber es hat mich während diverser Bundeswehr- Aufenthalte im Freien, während der Kanada- Tour 2005 und auch jetzt nie im Stich gelassen. Ich habe keine Ahnung was ausser Fleece noch in dem Teil verarbeitet ist, aber es hält auch dann noch warm, wenn es nass ist. Und es ist mehr als einmal ein echter Lebensretter gewesen. So auch heute. Während alles (auch Füße/Socken) an mir schon nach Kilometer 5 nass und kalt war, war mein Oberkörper noch warm und gut behütet. Das ist zum Glück auch den Rest des Laufs so geblieben. Insgesamt war der Lauf mal echt wieder eine neue Erfahrung. Die Beine waren so kalt und schwer, dass ich nicht mal gemerkt habe, ob mir irgendein Muskel weh getan oder nicht. Gegen Ende des Laufs sind mir beide Daumen an der Hand taub geworden, weil der Körper anscheinend die Durchblutung auf die wesentlichen Körperteile beschränkt hat. Das Trinken während des Laufs war auch alternativ. Wenn man eiskaltes Wasser bekommt, was macht man dann damit? Alles sofort schlucken ist bestimmt keine so prickelnde Idee. Ich habe mich dann daran erinnert, was unsere Ausbilder auf dem Einzelkämpferlehrgang zu uns gesagt haben: Wenn das Wasser kalt ist, behalte es so lange im Mund, bis es aufgewärmt ist. Dann trink in kleinen Schlucken, auch wenn du durstig bist. Genau das habe ich dann gemacht und es hat gut geklappt. Nur bisschen blöd, dass man dann eine Zeit lang ausschliesslich durch die Nase ein- und ausatmen muss. Aber ging schon irgendwie. Während des Laufens habe ich auch meine Musik vermisst, da ich wegen des Regens mein Handy nicht mitgenommen habe. Glaube bei der Menge an Regen hätte das Teil auch irgendwann seinen Geist aufgegeben. Also gute Entscheidung, es nicht mitzunehmen. Am Ende war der Lauf aber trotz aller Widrigkeiten eine gute und schöne Erfahrung. Die anderen Läufer waren allesamt gut drauf und haben coole Scherze gemacht, z.B. kurz vor dem Start: “Oh fuck, I forgot to put my sunscreen on” oder am Organisationsstand: “Can I still run the 2 Kilometers instead of the marathon, please?” Allgemeines Gelächter rundherum. 🙂 Was mich auch gewundert hat, war, dass an der Strecke trotz des total blöden Wetters jede Menge Leute gestanden haben, um die Läufer anzufeuern. Echt ein super Gefühl, wenn man kaputt ist und einem jemand Mut zum Weitermachen zuspricht. Hat mich immer wieder motiviert, weiter zu laufen. Ach ja, und dann habe ich noch jede Menge nette Leute während des Laufs getroffen. Einen Niederländer aus Alkmaar, der mich wegen meines Lidl- T-Shirts angesprochen hat. Er meinte “schneller bitte” und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich habe dann wie gewünscht schneller gemacht aber er war dann leider etwas zu langsam für mich und konnte ab Kilometer 6 nicht mehr mithalten. Und dann war da der etwas ältere Mann, den ich wegen seiner Laufschuhe angesprochen habe. Seine Schuche sahen aus wie Füße und beim Auftreten klang es so, als ob er Sandalen an hat. Aber er meinte sie wären super und sehr bequem. So hat man sich immer wieder zwischendurch beim Lauf auch unterhalten und gegenseitig gepusht. Komischerweise hatte ich bei diesem Lauf das erste Mal seit Monaten wieder Seitenstechen. Das ging auch erst wieder weg, nachdem ich zwei Kilometer lang meine Laufgeschwindigkeit reduziert habe und deutlich langsamer lief. Mal gucken, ob das beim nächsten Halbmarathon auch so sein wird. Den laufe ich am 29.Mai (also heute in einer Woche) in Grand Cache, nördlich vom Jasper Nationalpark. Nennt sich “Mountain Madness Run”. Ich bin gespannt. Jetzt aber erstmal ein paar Bilder vom Lauf in Red Deer. Das Titelbild (siehe oben) ist die Zielgerade, aus Sicht des Ziels.

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Der gute Woody, das Maskottchen des Laufs. Mit mir. 🙂
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Unglaublich: Selbst bei 3 Grad wird gegrillt und es gibt BURGER beim Marathon!!!!

 

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Meine Ausrüstung. Rechts ist die Alufolie, die man im Ziel sofort umgelegt bekommen hat.

Beim Zieleinlauf wurde dann jeder Finisher mit Namen und Stadt begrüsst und bei mir meinte der Kommentator dann wohlwollend: “…FROM GERMANY!!!”. Schon eine nette Geste. Sehr aufmerksam war auch, dass man sofort nach dem Zieleinlauf von Helfern eine Thermo- Alu- Decke um den Oberkörper gelegt bekommen hat. Insgesamt bin ich mit 1 Stunde und 42 Minuten dann doch etwas hinter meinen eigenen Erwartungen zurück geblieben. Aber für die Laufbedingungen war es akzeptabel. Trotz der grossen Hitze beim Trollinger Halbmarathon glaube ich, dass die dortigen Bedingungen zum Laufen doch erheblich besser waren als die Kälte und Nässe heute.

Nach dem Lauf durfte man sich dann darüber wundern, dass es dort tatsächlich einen Grillstand gab, an dem Patties für Burger gegrillt wurden. Die Burger waren sogar kostenlos und ich hätte mir auch einen holen können. Irgendwie fand ich das aber komisch und habe mir nur einen Apfel, eine Viertel- Orange und etwas Wasser mitgenommen. Dann schnell im Auto die nassen Sachen ausgezogen, in trockene Sachen geschlüpft und zurück ins Hotel gefahren. Dort hatte ich schon abgesprochen, dass ich später als normal auschecken würde (“Late checkout”). Also konnte ich noch in Ruhe duschen, meine Sachen packen und mich dann in Ruhe auf den Weg nach Canmore machen. Vorher habe ich aber noch beim “Glenn’s” angehalten, dort ein spätes “Frühstück” mit Tee genossen und ein Teil des Eishockey- Finals zwischen Kanada und Finnland gesehen. Endstand 2:0 für Kanada, also sind sie wieder Eishockey- Weltmeister, Cheers! 🙂 Danach habe ich mir noch einen Kaffee Mocka und einen “Apple Oatmeal”- Muffin bei der Donut Mill als Wegzehrung geholt.

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Glenn’s Diner in Red Deer
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The Donut Mill in Red Deer

Anschliessend bin ich nach Canmore gefahren und habe dort mein Hotel bezogen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Jo Anne, die mir angeboten hat, bei ihnen nochmal einen Zwischenstopp in Olds zu machen, da das Wetter aktuell nicht so doll zum Fahren ist und zum Teil schon Schnee vorhergesagt wurde. Wegen des engen Zeitplans habe ich mich dann aber doch dazu entschlossen, sofort nach Canmore zu fahren, ohne Zwischenstopp. Schon schade, denn Jo Anne und Doug hätte ich gerne nochmal getroffen. Canmore liegt in der Nähe von Banff und von hier aus werde ich in den nächsten 2 Tagen Lake Louise und die Columbia Icefields besuchen. Wenn nichts anderes dazwischen kommt. Heute Nachmittag habe ich dann nur noch etwas eingekauft (u.A. “Bearspray”) und mir die “Stadt” angeguckt. Interessanterweise ist hier mal einfach alles erheblich teurer als in Edmonton oder Calgary. Wahrscheinlich kommt das wegen der Touristen hier. Jedenfalls denke ich, dass ich für die kommenden Tagesausflüge (hauptsächlich Wandern und Natur) ganz gut vorbereitet bin. Da ich Abends immer wieder im Hotel sein werde, ist meine Ausrüstung auf ein Minmum beschränkt, siehe Foto. Also nur leichtes Gepäck…

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Canmore Innenstadt mit tief liegendem Nebel in den Bergen
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Park mit Spazierweg in Canmore
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Ausrüstung für die kommenden Wandertouren in der Wildnis. Bearspray = rechts oben.

So, zu guter Letzt gibt es wie immer den Musiktipp. Heute wieder Rockmusik aus England, dieses Mal von Judas Priest. Das Lied passt auch gut zu den Bedingungen des heutigen Halbmarathons, es ist aus dem Album “Turbo”. Aber auch sonst ist es eines meiner absoluten Lieblingslieder von dieser coolen Band. Nochmals vielen Dank an Andreas Bramer, mit dem ich 2015 den Nestor Cup gewonnen habe, und der mich erst auf die Band aufmerksam gemacht hat.

Judas Priest – Out in the cold

9. Edmonton

Red Deer, Kanada, 21.05.2016

Mittlerweile ist es Samstag, 21.05.2016, 21:00 Uhr Ortszeit und ich sitze in einem Hotelzimmer in beschaulichen Städtchen Red Deer. Wenn ich so aus dem Fenster gucke, sehne ich mich schon nach den trockenen und sonnigen Tagen der letzten Woche zurück. Vor allem weil morgen früh der Halbmarathon ansteht und Laufen im Regen mal kaum Spaß macht. Meine Laufsachen habe ich jedenfalls heute schon abgeholt, so dass ich dann morgen einfach nur noch da sein und loslaufen muss. Also ganz entspannt….

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Ziel vom Halbmarathon in Red Deer am 22.05.2016

Aber nun erstmal zurück zu den Edmonton- Tagen. Am Donnerstag bin ich nach dem Schreiben vom Blog erstmal eine grosse Runde laufen gegangen. Danach haben Shawn und ich etwas gegessen und ich bin alleine weiter zum Muttart Conservatory gefahren. Beim Muttart Conservatory handelt es sich um 4 Pyramiden mit jeweils eigener Biosphäre, entsprechendem Klima und den dazugehörigen Pflanzen. Aus Platzgründen beschränke ich mich hier darauf, neben dem Titelfoto (siehe oben) und dem Foto einer Pyramide nur ein Foto aus der “Arid”- Biosphäre zu zeigen.

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Vegetation in der “Arid”- Biosphäre
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Eine der 4 Pyramiden des Muttart Conservatories

Wer jetzt gerade gedacht hat: “Mensch, das ist irgendwie neblig in Edmonton” oder “Man kann ja gar nicht die Sonne über der Pyramide sehen”, der hat das besondere Wetter am Donnerstag in Edmonton gut erkannt. Ab Nachmittags roch es überall in der Stadt stark nach Rauch und Feuer und die Stadt lag unter einer Nebel- bzw. Aschewolke. Das waren direkte Auswirklungen der Waldbrände bei Fort McMurray, deren Rauchwolken bei entsprechenden Windverhältnissen bis nach Edmonton hineinziehen. Eine echt interessante Erfahrung für die Augen und die Lunge. Zum Glück war das nur am Donnerstag so und ab Freitag nicht mehr. Wäre aber am Freitag auch nicht so schlimm gewesen, da ich an dem Tag wenig an der frischen Luft war. Ich habe erstmal den Großteil des Tages in der West Edmonton Mall verbracht, mir die Mall angeschaut und natürlich auch eine Menge eingekauft. Zugegeben, das war schon ein Erlebnis. Neben hunderten Geschäften hat man da auf 2 Etagen unter anderem die folgenden Sachen in der Mall untergebracht: Einen Erlebnis- Minigolfkurs, eine Grossfläche zum Eislaufen (wurde am Freitag genutzt für eine Autoshow von Toyota), ein Erlebnis- Schwimmbad mit zig Wasserrutschen, eine riesige Wasserfläche mit begehbarem Piratenschiff und Showbecken mit dressierten Robben, etc….

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Showbecken mit dressierten Robben, rechts der Bug des Piratenschiffs
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Erlebnisbad in der West Edmonton Hall
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Spendenstation für die Einwohner von Fort McMurray

Was mich an dem Tag auch stark erstaunt hat, war, dass viele Geschäfte zum Spenden für die Bewohner von Fort McMurray aufgerufen haben. Zudem können die Bewohner von Fort McMurray derzeit bei vielen Geschäften in der Mall mit individuellen Preisnachlässen in Höhe von bis zu 25% rechnen. Man sorgt sich hier wirklich um das Wohlergehen der stark gebeutelten Mitmenschen, was ich nur begrüssen kann.

Am Freitag Abend sollte es dann eigentlich zum Konzert der Band “Brian Jonestown Massacre” gehen. Leider wurde daraus nix, da die Jungs wohl Probleme bei der Einreise nach Kanada hatten. Also sind Jaime, Shawn und ich zunächst etwas essen gegangen und sind dann weiter in eine Bar ins Stadtzentrum gefahren. Dort haben wir es aber aufgrund der nicht unbedingt weltbewegenden Live- Musik nicht allzu lange ausgehalten. Immerhin weiss ich jetzt, wie Bier mit echten Himbeeren drin schmeckt und das man auch Bier mit Blaubeer- Geschmack brauen kann. Interessante Geschichte das…

Heute morgen sind wir relativ spät aufgestanden und haben uns dann dazu entschlossen, beim “Escape City”- Laden vorbei zu schauen. Der Laden bietet Rätselspiele an, die wie folgt ablaufen: Man wird ohne Hilfsmittel in einen Raum gesperrt und muss nacheinander eine Menge unterschiedlicher Rätsel lösen, die einem am Ende das Entkommen aus dem Raum ermöglichen. Das Ganze sollte man in 45 Minuten schaffen, die Profis brauchen dafür aber nur etwas mehr als 20 Minuten. Jaime, Shawn und ich haben uns für einen moderat schweren Raum entschieden und auch viele Rätsel lösen können. Am Ende haben wir es aber doch nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft. Das lag mit Sicherheit auch daran, dass wir uns deutlich über 10 Minuten damit aufgehalten haben, nach einem Hinweis zu suchen, den wir gar nicht finden konnten. Die Mitarbeiter des Ladens hatten beim letzten “Zurücksetzten” dieses Raumes vergessen, den für uns nicht zugänglichen Ball zurück in die dafür vorgesehene Schatzkiste zu tun. So haben wir dann nach dem Lösen des ersten Rätsels eine leere Schatzkiste gehabt und uns halt erstmal lange Zeit gewundert, was man mit dem leeren Teil jetzt weiter machen soll. Wie auch immer, es war trotzdem eine coole Geschichte und hat viel Spass gemacht. Muss mal gucken ob es sowas auch in London gibt. Würde das gerne nochmal machen, war schon echt amüsant. Nach dem Rätseln haben wir im Fischrestaurant DaDeO auf der Whyte Avenue etwas gegessen und sind anschliessend ins Board Game Café gefahren. Super cooler Laden. Man kann dort alle möglichen Spiele (gesehen habe ich u.A.: Caverna, Agricola, Dominion, Seasons, Smash Up, Puerto Rico, Istanbul, Dominant Species, Terra Mystica, Innovation,…) spielen und sich dabei natürlich auch Drinks holen. Ziemlich klar, wo ich häufiger wäre, wenn ich in Edmonton leben würde. 🙂

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Board Game Café von aussen, Edmonton
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Regal mit Brettspielen (nur ein Teil der vorhandenen Sammlung)

Nach dem Besuch im Board Game Café habe ich dann meine Sachen gepackt und bin losgefahren in Richtung Red Deer. Ich blicke auf ein paar echt schöne Tage in Edmonton mit Jaime, Shawn und einer verschmusten Katze (“Kitty”) zurück. An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank und liebe Grüsse an Jaime und Shawn, die mich mit viel Herzlichkeit und Offenheit empfangen haben und mir tolle Gastgeber waren. 🙂

Ach ja, bevor ich vergesse es zu berichten: Es gab noch eine interessante Fortsetzung der Geschichte mit Marmy, dem Murmeltier. Wie sich herausstellte, war Marmy schwanger und hat zunächst eines ihrer Babys im Auto auf der Fahrt in die Wildlife Auffangstation bekommen und ihr Zweites dann in der Auffangstation selber. Mutter und Kinder bleiben jetzt erstmal dort unter Beobachtung, werden dann aber wieder ausgewildert wenn die Kleinen halbwegs selbstständig sind. Jedenfalls erklärt dieser Umstand jetzt auch, warum sich Marmy sowohl im Jeep von Jo Anne und Doug als auch in deren Garage unbedingt ein Nest bauen wollte. Die Fotos hat mir Jo Anne netterweise geschickt. So ist der Abschluss dieser Story nicht nur auf ihrer Facebook- Seite, sondern auch hier im Blog nachzulesen…

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Gwen mit Marmy in der Lebendfalle, Garage von Jo Anne und Doug
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Marmy auf dem Weg in die Auffangstation

Da das Konzert vom “Brian Jonestown Massacre” ausgefallen ist, kann und will ich jetzt hier keinen Musiktipp dieser Band veröffentlichen. Anstatt dessen gibt es jetzt einen Tipp aus der Kategorie “Deutscher Gangsta- Rap: Muss das sein???”. Ja, es muss. Auch deshalb weil Kollegah selbst nicht müde wird zu betonen, dass er Deutsch- Kanadier ist. Wofür ich ihn beneide, da er damit sehr viel einfacher hierhin auswandern kann als jemand ohne die kanadische Staatsbürgerschaft. Und ein paar seiner Lieder kann man sich wirklich gut geben. Denn neben der oft ziemlich stumpfen Text- Oberfläche der Lieder (ja, alles voll Gangsta und so….) sind die Lieder schon künstlerisch und technisch ansprechend gestaltet mit Doubletime, guten Flows, mehrsilbigen Reimketten und Wortspielen. Da steckt eine Menge Arbeit, Gehirnschmalz und Präzision drin. Aber das erkennt man nur, wenn man sich damit etwas eingehender auseinander setzt und sich nicht vom Text abschrecken lässt. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, die Alben von ihm gekauft zu haben. Der folgende Track stammt aus dem “Zuhältertape Vol.4”, was sich rein inhaltlich nicht so weltbewegend unterscheidet von “Bossaura”, “King” oder “Zuhältertape Vol.3”. Aber sei’s drum… 🙂

Kollegah – Wall Street

2. Letzte Vorbereitungen

Siegen, 09.05.2016

Nur noch ein Tag. Dann geht es endlich los. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde, ich wäre nicht aufgeregt und würde mich nicht freuen. Bis auf den Flug vielleicht. Der muss nicht unbedingt sein aber lässt sich wohl nicht vermeiden. Also Augen zu und durch, wird schon! Abflug ist in Frankfurt, 13:30 Uhr, geplante Landung in Calgary um 15:10 Uhr Ortszeit. Glaube ich werde dort dann erstmal in die Stadt reinfahren, mir ein Hotel suchen und dann irgendwo was essen gehen oder so. Soooo exited. 🙂

Wer die Nachrichten verfolgt hat, hat bestimmt gelesen, dass es im Norden Kanadas aktuell schlimme Waldbrände gibt und auch schon eine Stadt, Fort McMurray, evakuiert wurde. Das Gebiet, in dem es brennt, ist allerdings schon ein ganzes Stück von meiner geplanten Route entfernt. Edmonton, als die nördlichste Station meines Trips, ist noch circa 350 Kilometer südlich von Fort McMurray. Unwahrscheinlich, dass sich das Feuer bis dahin ausbreitet…

Kanada-FortMcMurray
Edmonton unten links, FortMcMurray mit roter Markierung, Kilometerskala unten rechts.

Heute muss ich mal endlich meine Sachen für Kanada packen und alles für die Reise vorbereiten. Habe bis jetzt noch nichts in der Richtung gemacht, da ich mir heute morgen erstmal noch meinen internationalen Führerschein ausstellen lassen muss, noch ein paar Besorgungen erledigen werde und den Friseur besuche. Ist mal wieder nötig. Und am Wochenende war dafür auch keine Zeit, da ich mit den Jungs und Mädels von Lidl Siegen beim Trollinger Halbmarathon unterwegs war. Hat riesig Spaß mit euch gemacht. Ach ja, der Trollinger. 🙂

War eine echt schöne Veranstaltung, genau wie letztes Jahr. Leider haben einige Läufer von unserer Gesellschaft noch kurzfristig abgesagt, aber es waren auch ein paar neue Gesichter dabei. Das gesamte Event war sehr gelungen, sowohl was den Lauf selbst angeht, die Gesamtorganisation aber auch das Rahmenprogramm. Die Teilnahme lohnt sich auf jeden Fall, egal wie schnell oder langsam man läuft. Allerdings waren die Voraussetzungen für den Lauf dieses Jahr ein ganzes Stück schlechter als letztes Jahr. Habe wegen Husten und dem Transfer nach England weit weniger trainiert und meine linke Wade hat sich in den Wochen vor dem Lauf auch übel kaputt angefühlt. Dank Martin’s Pferdesalbe hatte ich mit der Wade aber dann zum Glück Ruhe bis Kilometer 12, danach fing dann das Kämpfen an. Auch war das Wetter gestern eher ungünstig. Schon morgens echt warm, dann die ganze Strecke über Sonne pur und kaum Schatten. Neben der Erschöpfung auf der Strecke hat das Wetter dann auch noch zu einem leichten Sonnenbrand geführt. Aber alles halb so schlimm, wird schon wieder. Insgesamt bin ich dann mit 1 Stunde und 39 Minuten ziemlich genau eine Minute langsamer gewesen als letztes Jahr, womit ich sehr zufrieden bin. Für die eher ungünstigen Vorzeichen war das Resultat mehr als ich mir vor dem Lauf erhofft hatte. Der Rest des Tages war dann mit Schwimmbad und Grillparty sehr erholsam und chillig. Ein guter Ausgleich zur vorherigen Belastung.

Als Tribut an den Trollinger gibt es von mir jetzt beim Musiktip einen ziemlich unbekannten Titel von Iron Maiden aus dem “Somewhere in Time”- Album. Der Titel gehört zu meinen absoluten Lieblingsliedern, vor allem wegen der ersten 50 Sekunden.

Iron Maiden – The Loneliness of the Long Distance Runner

 

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Trollinger Halbmarathon 2016, kurz vor dem Start in Zone “rot”
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Partyzelt auf dem Grillfest am Abend des Laufes. Lidl- Mitarbeiter aus 19 Nationen waren dort vertreten.