18. Vancouver Island, Teil 1

Bowser, Kanada, 03.06.2016.

Mittlerweile ist es Freitag Abend und ich bin schon wieder im Verzug mit dem Blog. Sorry. Wollte eigentlich gestern noch schreiben aber habe mir da lieber ein paar Stunden mehr Schlaf gegönnt nach einem ereignisreichen Tag. Aber erstmal zurück zu Dienstag und Mittwoch.

Dienstag Abend bin ich bei Kelly & Corey auf Vancouver Island angekommen und die beiden haben mich herzlich begrüsst und total lieb aufgenommen. Da es schon spät war, haben wir nur noch ein bisschen geredet und sind dann ins Bett gegangen. Am Mittwoch hatte Corey frei, so dass wir nach Frühstück und Wäsche machen etwas gemeinsam unternehmen konnten. Erstmal hat sie mir den Garten gezeigt und er ist einfach umwerfend. Die Beiden haben hier ein echtes Paradies (siehe Beitragsbild und unten) geschaffen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für viele Tiere. Hier gibt es einige Kolibris (“Hummingbirds”), die man regelmäßig bei den Wasserspendern sieht, jede Menge Bienen in den Blüten der Pflanzen und Sträucher und sogar einen Waschbären, der in einem der Bäume lebt. Wobei der Waschbär eher kein so willkommener Gast ist. Muss ich blöd geguckt haben, als er vom Baum runterstieg und seelenruhig in Richtung Garten ging… Aber auch was die Pflanzen angeht, gibt es hier viel zu sehen, zum Teil auch recht exotische Sachen: Neben Tomaten haben die beiden hier Apfelbäume, Birnbäume, Pfirischbäume, Kiwibäume, einen Feigenbaum usw… In dem Garten steckt neben viel Arbeit auch mindestens ebensoviel Liebe und es ist umwerfend, wenn man die Veränderung von vor 6 Jahren zu heute sieht. Unglaublich und echt wahnsinnig schön, was die Beiden hier gezaubert haben.

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Ein Teil von Kelly & Corey’s Paradiesgarten.

Nach dem Rundgang durch den Garten haben wir eine Wanderung in einem nahegelegenen Tal gemacht, wobei der Wanderweg gerade mal 200 Meter hinter dem Haus von Corey & Kelly beginnt. Ganz ehrlich: Wenn ich solch einen schönen Wanderweg so nah bei meiner Wohnung hätte, würde ich bestimmt jeden Tag laufen gehen. Ein echtes Stück Regenwald direkt in unmittelbarer Nähe des Wohnortes. Sagenhaft. 🙂

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Fluss mit Regenwaldvegetation im Tal bei Kelly & Corey’s Haus.

Als Abschluss des Tages haben Corey und ich dann noch ein Museum in einem Naachbarort besucht und uns dort ein bisschen die Geschichte des Ortes und des dortigen Kohlebergbaus angeguckt. Seit ich mit Jo Anne und Doug in der Atlas- Kohlemine in Drumheller war, lässt mich der Gedanke nicht los, dass man doch eigentlich irgendwas Sinnvolles mit der in Kanada praktisch offen rumliegenden Kohle machen können muss. Daher wollte ich auch in das Museum reingehen. Es war auch sehr interessant, der zündende Kohle- Gedanke (wow, was für ein Wortspiel!!!) ist mir aber noch nicht gekommen. Vielleicht nächste Woche Montag, da gucke ich mir auf dem Weg nach Vancouver wahrscheinlich noch ein Kohle- Museum an. Mal sehen…

Am Donnerstag bin ich morgens alleine in Richtung Westküste der Insel aufgebrochen mit der Absicht, dort auch für eine Nacht zu bleiben. Zunächst habe ich mir die Little Qualicum Waterfalls angeguckt und musste feststellen: Jeder Wasserfall ist doch irgendwie anders und daher einzigartig schön. Auch hier bin ich wieder ein bisschen gewandert und habe einige schöne Fotos gemacht. Weiter unten ist aber nur eins davon, sonst hätte ich für den Blog- Eintrag zu viele Fotos gehabt am Ende. Nach den Waterfalls ging es dann weiter in Richtung Cathedral Grove. Das ist der Regenwaldteil auf dieser Insel, der den ältesten Baumbestand hat. Einige der Bäume sind schon über 800 Jahre alt und auch dementsprechend gross. Es war schon faszinierend und beeindruckend zugleich, sich selbst als kleiner Mensch unter diesen riesigen Bäumen zu bewegen. Ich habe dort dann auch eine gute Zeit verbracht und den Wald auf mich wirken lassen. Schliesslich bin ich dann aber doch weiter zum Sproat Lake gefahren, um mir dort die Petroglyphen anzugucken. Dies sind von Aborigines in Stein geritzte Tierfiguren, deren genaue Bedeutung noch nicht abschliessend geklärt ist. Leider haben die Witterungsverhältnisse aber auch menschliche Eingriffe dafür gesorgt, dass die Konturen der Petroglyphen heute nicht mehr so gut sichtbar sind. Auf dem Foto sind sie jedenfalls nicht sooo gut zu erkennen.

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Little Qualicum Waterfalls. Upper Falls.
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Cathedral Grove. Der “big tree”.

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Die Petroglyphen am Sproat Lake.

Nach dem Besuch am Sproat Lake war es auch schon später am Nachmittag, daher bin ich dann weiter in Richtung Ucluelet, eine Stadt im Westen der Insel, weitergefahren. Dort habe ich mir ein Motel gesucht, mir ein Zimmer für eine Nacht genommen, etwas gegessen und bin dann ins Bett gefallen. Ausschlafen am Freitag morgen war dann eher nicht angesagt, denn ich hatte für 09:00 Uhr eine Whale- Watching- Tour in Tofino gebucht. Also bin ich recht früh aufgestanden, habe dann noch in Ucluelet in einem Café gefrühstückt (mal was Anderes: Pancakes mit Käse und Bacon drin, darauf Ahornsirup. War aber ganz gut. 🙂 ) und war pünktlich in Tofino. Klar musste ich auch vor der Tour einen “Waiver” unterschreiben. Viel viel Text, den man ungefähr so hätte abkürzen können: “Egal was auf dem Trip passiert (Verletzung, Unterkühlung, Tod,…), du bist immer selber Schuld und hast keinerlei Ansprüche, selbst wenn unser Personal Scheisse baut.” Wie auch immer, habe den Krempel trotzdem unterschrieben. Schwimmen kann ich ja halbwegs, also never mind. Danach haben wir Ganzkörper- Overalls bekommen und noch eine zusätzliche Regenjacke. Ach ja, es regnete ununterbrochen an diesem Morgen, daher die zusätzliche Regenjacke. Und es wurde ganz schön warm in dieser Anzugs-Kombo und auch schwierig, sich damit zu bewegen. Wir mussten aber nicht lange warten, bis Jesse uns abgeholt hat und wir dann zu einem ziemlich grossen Zodiak gegangen sind. Muss man sich als etwas grösseres Schlauchboot mit festen Sitzreihen und Unterstand für den Bootsführer vorstellen. Mit 2 grossen Motoren, jeweils 75 PS. Schönes Spielzeug für Jesse. 🙂 Der Trip selbst war sagenhaft. Jesse hat seinen Spaß damit gehabt, das Boot durch die zum Teil recht rauhe See zu prügeln. Aber er musste zwischendurch auch mal anhalten, weil einem Mädel vor mir schlecht wurde. Und nass waren wir nach dem Trip auch allesamt. Aber wir haben echt Glück gehabt und jede Menge tolle Tiere und Szenen gesehen. Kalifornische Grauwale, die nicht weit von uns auf- und abgetaucht sind (leider keine Fotos davon, da wir nur sehr sehr kurz dort geblieben sind). Jede Menge Seelöwen, faul auf ihrem Lieglingsplatz liegend und im Wasser herumtollend. Und ein Rudel Orca- Wale, die eine Robbe (“Harbour Seal”) gejagt, gefangen und gefressen haben während wir in der Nähe waren. Ein unglaubliches Schauspiel. Wahnsinn. Im Nachhinein habe ich mir gewünscht, ich hätte eine andere Kamera dabei gehabt. Bei dem Regen, der Gischt und der Entfernung zu den Tieren sind die Fotos leider nicht so doll geworden. Tut mir leid für euch. Ich wiederhole mich nur ungern, aber gerade Whale Watching ist wohl etwas, was man selbst gemacht haben sollte. Die Bilder im Kopf sind unersetzlich….

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Ein Orca.
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Orcas.
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Orcas hinter anderem Whale- Watching- Boot.
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Seelöwen auf dem Fels und im Wasser.

Nach dem Whale- Watching habe ich mich erstmal komplett umgezogen, denn ich war fast durch und durch nass. Passiert halt auf See, gerade wenn es dazu noch ununterbrochen regnet. Wandern wollte ich an dem Tag bei Regen auch nicht mehr, also bin ich anstatt dessen nach Ucluelet ins Aquarium gefahren. Dort kann man auch einen Teil der Tiere und Vegetation in den “tanks” anfassen und die “Exponate” werden im Herbst wieder komplett in den Gewässern rund um Vancouver Island kontrolliert ausgewildert. DAS Konzept hat mich mal wirklich überrascht. Und es war auch spannend, die einzelnen Lebewesen tatsächlich zu berühren und deren Reaktion zu sehen. Nicht, dass ich danach gegrabscht hätte oder so. Very very gentle….

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Suchbild: Finde die 2 Krabben und die Seegurke.
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Die grünen Anemonen klar in der Überzahl hier….

Nach dem Besuch des Aquariums bin ich dann aber auch wieder in Richtung Ostküste gefahren, zurück zu Corey & Kelly. Auf dem Weg dorthin habe ich aber noch einen Halt gemacht bei einer Native Art Gallery zwischen Port Alberni und Ucluelet. Dort war nicht nur Gordon, der Inhaber (natürlich auch ein Künstler) anwesend, es gab auch viele tolle Kunstwerke zu sehen. Und ich habe mir ein Halsband mit Anhänger aus Silber gekauft, auf dem ein Orca (Killerwhale) in Aborigine- Art zu sehen ist. So werde ich auch in Zukunft immer wieder an dieses tolle Erlebnis auf der See vor Tofino erinnert. Ausserdem bin ich mit Gordon und einer Verkäuferin schnell ins Gespräch gekommen und wir haben uns über so manche Sache ausgetauscht. Es stellte sich heraus, dass Gordon 2013 selbst in Deutschland war und dort Kunst- Workshops in Bremen und in Berlin besucht hat. Und dass deutsche Wälder vermutlich um einiges sicherer, aber auch tierärmer und “kultivierter” sind als kanadische Wälder. 🙂

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Hütte vor der Native Art Gallery.
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Killerwhale- Pendant von Kelly Robinson, 2015.

Gerne hätte ich noch mehr Zeit an der Westküste verbracht, da man dort noch eine Menge mehr machen und sehen kann. Wenigstens bei gutem Wetter. Dafür fehlt mir aber, wie immer, leider die Zeit. Denn am Samstag und Sonntag möchte ich gerne etwas zusammen mit Corey und Kelly unternehmen und darauf freue ich mich auch schon doll. Ach, eine Sache gibt es noch zur Westküste zu sagen: Sie ist schweineteuer. Schon in der aktuellen “Mid-Season” sind die aufgerufenen Preise saftig, gerade in Tofino. Und trotzdem sind schon jetzt Hotels, Motels und B&B- Unterkünfte zum Teil ausgebucht. Mitten in der Woche!!!

So, abschliessend gibt es jetzt noch den Musiktipp. Dieses Mal “Power dive rock ‘n’ metal” aus Köln von Gun Barrel, die ich erst mit der Zeit schätzen gelernt habe. Sind aber mit jedem Auftritt immer besser bei mir angekommen. Das vorgestellte Lied ist vom Album “Damage Dancer” und ich kann sowohl dieses als auch das letzte Album (“Brace for Impact”) uneingeschränkt empfehlen. Die anderen Alben habe ich mir noch nicht im Detail angehört…

Gun Barrel – Bashing thru

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Author: Ralf

Passionate Canada -Visitor and -Lover. Ex- Army Officer and Retail Manager. Long distance runner, climber, hiker, fan of all kinds of games and animal friend. Loves music but has a weird taste: British Metal, German Gangsta-Rap and most Rock/Punk- music.

1 thought on “18. Vancouver Island, Teil 1”

  1. Hallo,Ralf! Genieße die Zeit in der paradiesischen Gegend von Westkanada.Kaum zu glauben, dass Corey`s Garten so üppig gedeihen kann bei dem kanadischen Klima.
    Nach vielen Unwettern, Überschwemmungen und Zerstörungen und einem nassen und vom Blitz getroffenen Rock am Ring ist es jetzt warm und sonnig hier.
    Grüße an Corey und Kelly, wir vermissen sie, hatten viel Spaß mit ihnen.
    Wir freuen uns auf weitere Eindrücke.Bis demnächst! A. und M.

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