13. Von Banff nach Jasper

Jasper, Kanada, 27.05.2016

Nachdem ich am Montag und am Dienstag intensiv gewandert bin und viel gesehen habe, ist am Mittwoch (25.05.) schon der Tag des Abschieds aus dem Banff-Nationalpark gekommen. Mein Plan war es, an dem Tag ein paar Orga- Sachen zu erledigen, bis Abends zu meinem Zwischenstopp bei den Sunwapta Falls zu fahren und ein paar der auf dem Weg gelegenen Sehenswürdigkeiten anzugucken. Das hat auch soweit ganz gut geklappt. Nach dem Auschecken im Hotel habe ich zunächst in der Wäscherei in Canmore meine Klamotten gewaschen und dabei den Grossteil des letzten Blogeintrags geschrieben. Danach habe ich dann erstmal vollgetankt und bin weiter in Richtung Banff gefahren. Im Internet hatte ich gesehen, dass es dort eine Schneiderei gibt. Und zu dieser Schneiderei wollte ich, da meine beiden Outdoor- Hosen mittlerweile Risse in der äusseren Materialschicht hatten. Kein Wunder bei einem Alter von über 11 Jahren und den ganzen Belastungen. Nach kurzem Suchen habe ich die Schneiderei dann auch gefunden und dort Maria, eine gebürtige Ungarin, getroffen. Wir sind sofort gut ins Gespräch gekommen und sie hat sich dann auch direkt meine Hosen zum Reparieren geschnappt. Natürlich hat das was gedauert und in der Zwischenzeit habe ich etwas gegessen, eingekauft und mir ein bisschen Banff Downtown angeguckt. Ein ganz nettes Städtchen, vor allem mit dem Berg- Panorama.

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Hauptstrasse in Banff City.

So gegen 14:00 Uhr bin ich dann aufgebrochen in Richtung Sunwapta Falls. Auf dem langen Weg zwischen Banff und Jasper habe ich einige Male angehalten und ein paar Fotos gemacht. So zum Beispiel beim Bow Lake, den ihr im Titelbild (oben) seht. Aber an zwei besonders interessanten Orten habe ich einen längeren Zwischenstopp eingelegt: Peyto Lake und Athabasca Glacier.

Den Stopp bei Peyto Lake hatten mir die beiden Kaliforniern beim Wandern am Tag zuvor wärmstens empfohlen. Und sie hatten Recht damit. Es hat sich definitiv gelohnt, dort anzuhalten. Neben dem schönen Panorama, was es dort zu sehen gab, habe ich ausserdem ein nettes, älteres kanadisches Ehepaar getroffen. Wir haben uns über einige interessante Sachen unterhalten, z.B. dass der Peyto- Gletscher der am schnellsten verschwindende Gletscher in Kanada ist oder was der Unterschied zwischen Squirrels und Chipmunks ist. Jetzt weiss ich, dass Chipmunks Streifen im Gesicht haben und Squirrels eben nicht. Der kleine Kerl beim Lake Louise war also, richtig vermutet, ein Squirrel. 🙂

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Peyto Lake in seiner tollen Färbung.
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Blick auf den Bereich, wo früher der Pyto- Gletscher war. Rechts der beginnende See.

Peyto Lake hat, genau wie Lake Louise und Lake Moraine, eine deutlich hellere, fast schon türkise Färbung. Dies kommt dadurch, dass das geschmolzene Eis aus den Bergen Mineralien aus dem Stein transportiert und das Wasser dadurch das Licht anders reflektiert als “normales” Wasser ohne diese zusätzlichen Mineralien. Es mag sein, dass sich die Farbe des Sees eines Tages ändert, wenn nach dem kompletten Verschwinden des Peyto Glaciers der Zulauf von Gebirgswasser in den See deutlich abnimmt. Dann wird der See wahrscheinlich seine hellere Färbung verlieren und in ein “normales” Blau wechseln. Das macht einen schon nachdenklich, wenn man bedenkt, dass wir mit dem Klimawandel an dieser Entwicklung massgebliche Schuld tragen. Nachdenklich gemacht hat mich am Peyto Lake aber auch wieder, dass es anscheinend überall Touristen gibt, die sich nicht benehmen können. Dieses Mal waren es Deutsche. Statt auf den Wegen zu bleiben, müssen sie über Absperrungen klettern um ein optimales Bild oder eine wahnsinnig tolle Selfie- Pose hinzubekommen. Siehe erstes Foto, rechts unten auf dem Felsvorsprung. Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Thema mit den respektlosen Touristen begleitet mich hier irgendwie täglich. Das ist schon schade, wenn man mit angucken muss, wie dumm, selbstsüchtig oder gedankenlos ein paar Vertreter unserer Spezies durch das Leben wandeln. Aber das soll hier nicht das Hauptthema sein…

Zurück zum Klimawandel. Das Problem der Erderwärmung wurde für mich noch viel deutlicher, als ich auf dem weiteren Weg nach Jasper den Athabasca- Gletscher gesehen habe. Dort wo früher das Eis noch bis zur Strasse gereicht hat, ist heute eine öde Gerölllandschaft, die einen ein bisschen an die Bilder vom Mond erinnert. Der einstmals stolze Gletscher hat mittlerweile mehr als 60% seines Eises verloren und ist, gemessen an seiner ehemaligen Höhe und Länge, mittlerweile leider nur noch ein Schatten seiner selbst.

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Blick auf den Athabasca Gletscher (links) und einen weiteren Gletscher (rechts) vom Parkplatz bei den Columbia Icefields.
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Direkt vor dem Athabasca- Gletscher.
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Blick auf das Vorfeld des Gletschers: Geröll, abgeschliffener Stein und kleiner See mit Schmelzwasser.
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Blick auf den anderen Gletscher. Auch dieser mittlerweile erheblich kleiner…

Auf den Bildern kann man erkennen, dass beide Gletscher einst viel grösser waren als heute. Gerade an den Bergrändern sieht man, bis wohin sie früher gereicht haben und wie sie sich im Laufe der Zeit ihren Weg gebahnt haben. Schon schade, wenn man bedenkt, dass dieser Anblick vielleicht schon in ein paar Jahren ganz verschwunden sein wird und der Fremdenführer dann sagen wird: “Jetzt stellen Sie sich mal vor, dass hier ganz viel Eis ist und sehr sehr kalt.”. Ja, schon beängstigend.

Wer jetzt den Eindruck hat, ich würde meinen Urlaub nicht geniessen und hätte nur schlechte Gedanken, der irrt. Klar, es kommt wahrscheinlich jetzt so rüber, aber das ist jetzt auch nur ein Teil meiner Gedanken an dem Tag gewesen. Trotz der unglaublichen Schönheit der Natur und aller Sehenswürdigkeiten hier will ich mich der manchmal unbequemen Realität nicht verschliessen und machen mir auch solche Gedanken, die für den ein oder anderen vielleicht nicht in den Urlaub passen. Anyway, ich habe mir den Rest der Columbia Icefields dann nicht mehr angeschaut, bin nicht mit dem Snowbus AUF die Icefields drauf gefahren und habe auch nicht den Skywalk besucht (sieht ähnlich aus wie der beim Grand Canyon), der unnötigerweise alleine für die Touristen mitten in die Natur reingebaut wurde. Pfui. Das soll es jetzt aber auch an negativen Gedanken gewesen sein.

Der Rest meiner Mittwochs-Reise war relativ ereignislos. Bin gegen Abend bei den Sunwapta Falls angekommen, habe dort meine Cabin in der Lodge bezogen, den letzten Blogeintrag noch fertig geschrieben und bin dann auch recht schnell eingeschlafen. Eine Zeit lang hatte ich noch mit dem Gedanken gespielt, den Kamin in der Hütte anzumachen aber mir war warm genug und ich wollte nicht wirklich gegrillt werden in der Butze….

Der heutige Musiktipp kommt aus dem Bereich des Hip Hops und es ist ein wunderschöner aber melancholischer Track, der mich immer wieder an so einige traurige Erlebnisse in meinem Leben erinnert. Einfach ein Lied, das nachdenklich macht. Das Album gab es damals als Free- Download und man kann sich durchaus auch ein paar der anderen Songs auf “Fly Punkt Null” anhören. Die Künstler, Mikzn70 und E.P.Eazy, treten hier unter einem anderen Synonym auf:

Chronick und Bläize – Sterne gucken

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Author: Ralf

Passionate Canada -Visitor and -Lover. Ex- Army Officer and Retail Manager. Long distance runner, climber, hiker, fan of all kinds of games and animal friend. Loves music but has a weird taste: British Metal, German Gangsta-Rap, some Dance-pieces (mostly 90s), non- lyric beats and most Rock/Punk- music.

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