10. Halbmarathon Red Deer

Canmore, Kanada, 22.05.2016

Es ist Sonntag, früh Abends, ich sitze im Hotel “Mountain View” in Canmore, habe die Füsse hochgelegt und schlürfe an einem Becher Captain Morgan/ Cola. Sehr entspannt nach einem solchen Tag. Ja, der Tag hatte es schon etwas in sich. Aufgestanden bin ich um 6 Uhr, um möglichst früh Frühstück im Hotel in Red Deer zu bekommen. Hätte ich gewusst, was mich da erwarten würde, hätte ich lieber ein paar Minuten länger geschlafen. Nach einem Blick aus dem Fenster hatte ich spontan gar keine Lust mehr, den Halbmarathon zu laufen. Das Wetter war richtig schlecht zum Laufen und ich habe mit dem Gedanken gespielt, einfach nicht hin zu gehen. Dann hat mich aber der Ehrgeiz gepackt und ich habe mir gedacht, dass ich noch blöderes Wetter bei so manchem Bundeswehr- Lehrgang hatte und es mit Sicherheit auch dieses Mal überleben würde. Also bin ich nach dem “Frühstück” zum Halbmarathon gefahren, habe schnell einen Parkplatz gefunden und dann auf den Start gewartet. Mit “warm machen” war nix, weil es draussen nette 3 Grad kalt war mit Dauerregen und Wind. Das hat sich auch den ganzen Lauf über mal gar nicht geändert. Blöd an der Sache war dann, dass ich keine lange Laufhose dabei hatte und auch irgendwie nicht an meine Handschuhe gedacht habe. Jaja, die gute Vorbereitung. Sonst eine meiner Stärken, heute halb verpennt. Aber ich habe immerhin meinen Löffler- Pulli dabei gehabt, so dass ich wenigstens vom Oberkörper her gut versorgt war. Und meine Mütze natürlich, die man auch über die Ohren ziehen kann. 🙂 An dieser Stelle muss ich einfach mal Schleichwerbung für den Löffler- Pulli machen. Das Teil habe ich damals 2003 gekauft und es war schweineteuer. Aber es hat mich während diverser Bundeswehr- Aufenthalte im Freien, während der Kanada- Tour 2005 und auch jetzt nie im Stich gelassen. Ich habe keine Ahnung was ausser Fleece noch in dem Teil verarbeitet ist, aber es hält auch dann noch warm, wenn es nass ist. Und es ist mehr als einmal ein echter Lebensretter gewesen. So auch heute. Während alles (auch Füße/Socken) an mir schon nach Kilometer 5 nass und kalt war, war mein Oberkörper noch warm und gut behütet. Das ist zum Glück auch den Rest des Laufs so geblieben. Insgesamt war der Lauf mal echt wieder eine neue Erfahrung. Die Beine waren so kalt und schwer, dass ich nicht mal gemerkt habe, ob mir irgendein Muskel weh getan oder nicht. Gegen Ende des Laufs sind mir beide Daumen an der Hand taub geworden, weil der Körper anscheinend die Durchblutung auf die wesentlichen Körperteile beschränkt hat. Das Trinken während des Laufs war auch alternativ. Wenn man eiskaltes Wasser bekommt, was macht man dann damit? Alles sofort schlucken ist bestimmt keine so prickelnde Idee. Ich habe mich dann daran erinnert, was unsere Ausbilder auf dem Einzelkämpferlehrgang zu uns gesagt haben: Wenn das Wasser kalt ist, behalte es so lange im Mund, bis es aufgewärmt ist. Dann trink in kleinen Schlucken, auch wenn du durstig bist. Genau das habe ich dann gemacht und es hat gut geklappt. Nur bisschen blöd, dass man dann eine Zeit lang ausschliesslich durch die Nase ein- und ausatmen muss. Aber ging schon irgendwie. Während des Laufens habe ich auch meine Musik vermisst, da ich wegen des Regens mein Handy nicht mitgenommen habe. Glaube bei der Menge an Regen hätte das Teil auch irgendwann seinen Geist aufgegeben. Also gute Entscheidung, es nicht mitzunehmen. Am Ende war der Lauf aber trotz aller Widrigkeiten eine gute und schöne Erfahrung. Die anderen Läufer waren allesamt gut drauf und haben coole Scherze gemacht, z.B. kurz vor dem Start: “Oh fuck, I forgot to put my sunscreen on” oder am Organisationsstand: “Can I still run the 2 Kilometers instead of the marathon, please?” Allgemeines Gelächter rundherum. 🙂 Was mich auch gewundert hat, war, dass an der Strecke trotz des total blöden Wetters jede Menge Leute gestanden haben, um die Läufer anzufeuern. Echt ein super Gefühl, wenn man kaputt ist und einem jemand Mut zum Weitermachen zuspricht. Hat mich immer wieder motiviert, weiter zu laufen. Ach ja, und dann habe ich noch jede Menge nette Leute während des Laufs getroffen. Einen Niederländer aus Alkmaar, der mich wegen meines Lidl- T-Shirts angesprochen hat. Er meinte “schneller bitte” und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich habe dann wie gewünscht schneller gemacht aber er war dann leider etwas zu langsam für mich und konnte ab Kilometer 6 nicht mehr mithalten. Und dann war da der etwas ältere Mann, den ich wegen seiner Laufschuhe angesprochen habe. Seine Schuche sahen aus wie Füße und beim Auftreten klang es so, als ob er Sandalen an hat. Aber er meinte sie wären super und sehr bequem. So hat man sich immer wieder zwischendurch beim Lauf auch unterhalten und gegenseitig gepusht. Komischerweise hatte ich bei diesem Lauf das erste Mal seit Monaten wieder Seitenstechen. Das ging auch erst wieder weg, nachdem ich zwei Kilometer lang meine Laufgeschwindigkeit reduziert habe und deutlich langsamer lief. Mal gucken, ob das beim nächsten Halbmarathon auch so sein wird. Den laufe ich am 29.Mai (also heute in einer Woche) in Grand Cache, nördlich vom Jasper Nationalpark. Nennt sich “Mountain Madness Run”. Ich bin gespannt. Jetzt aber erstmal ein paar Bilder vom Lauf in Red Deer. Das Titelbild (siehe oben) ist die Zielgerade, aus Sicht des Ziels.

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Der gute Woody, das Maskottchen des Laufs. Mit mir. 🙂
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Unglaublich: Selbst bei 3 Grad wird gegrillt und es gibt BURGER beim Marathon!!!!

 

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Meine Ausrüstung. Rechts ist die Alufolie, die man im Ziel sofort umgelegt bekommen hat.

Beim Zieleinlauf wurde dann jeder Finisher mit Namen und Stadt begrüsst und bei mir meinte der Kommentator dann wohlwollend: “…FROM GERMANY!!!”. Schon eine nette Geste. Sehr aufmerksam war auch, dass man sofort nach dem Zieleinlauf von Helfern eine Thermo- Alu- Decke um den Oberkörper gelegt bekommen hat. Insgesamt bin ich mit 1 Stunde und 42 Minuten dann doch etwas hinter meinen eigenen Erwartungen zurück geblieben. Aber für die Laufbedingungen war es akzeptabel. Trotz der grossen Hitze beim Trollinger Halbmarathon glaube ich, dass die dortigen Bedingungen zum Laufen doch erheblich besser waren als die Kälte und Nässe heute.

Nach dem Lauf durfte man sich dann darüber wundern, dass es dort tatsächlich einen Grillstand gab, an dem Patties für Burger gegrillt wurden. Die Burger waren sogar kostenlos und ich hätte mir auch einen holen können. Irgendwie fand ich das aber komisch und habe mir nur einen Apfel, eine Viertel- Orange und etwas Wasser mitgenommen. Dann schnell im Auto die nassen Sachen ausgezogen, in trockene Sachen geschlüpft und zurück ins Hotel gefahren. Dort hatte ich schon abgesprochen, dass ich später als normal auschecken würde (“Late checkout”). Also konnte ich noch in Ruhe duschen, meine Sachen packen und mich dann in Ruhe auf den Weg nach Canmore machen. Vorher habe ich aber noch beim “Glenn’s” angehalten, dort ein spätes “Frühstück” mit Tee genossen und ein Teil des Eishockey- Finals zwischen Kanada und Finnland gesehen. Endstand 2:0 für Kanada, also sind sie wieder Eishockey- Weltmeister, Cheers! 🙂 Danach habe ich mir noch einen Kaffee Mocka und einen “Apple Oatmeal”- Muffin bei der Donut Mill als Wegzehrung geholt.

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Glenn’s Diner in Red Deer
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The Donut Mill in Red Deer

Anschliessend bin ich nach Canmore gefahren und habe dort mein Hotel bezogen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Jo Anne, die mir angeboten hat, bei ihnen nochmal einen Zwischenstopp in Olds zu machen, da das Wetter aktuell nicht so doll zum Fahren ist und zum Teil schon Schnee vorhergesagt wurde. Wegen des engen Zeitplans habe ich mich dann aber doch dazu entschlossen, sofort nach Canmore zu fahren, ohne Zwischenstopp. Schon schade, denn Jo Anne und Doug hätte ich gerne nochmal getroffen. Canmore liegt in der Nähe von Banff und von hier aus werde ich in den nächsten 2 Tagen Lake Louise und die Columbia Icefields besuchen. Wenn nichts anderes dazwischen kommt. Heute Nachmittag habe ich dann nur noch etwas eingekauft (u.A. “Bearspray”) und mir die “Stadt” angeguckt. Interessanterweise ist hier mal einfach alles erheblich teurer als in Edmonton oder Calgary. Wahrscheinlich kommt das wegen der Touristen hier. Jedenfalls denke ich, dass ich für die kommenden Tagesausflüge (hauptsächlich Wandern und Natur) ganz gut vorbereitet bin. Da ich Abends immer wieder im Hotel sein werde, ist meine Ausrüstung auf ein Minmum beschränkt, siehe Foto. Also nur leichtes Gepäck…

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Canmore Innenstadt mit tief liegendem Nebel in den Bergen
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Park mit Spazierweg in Canmore
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Ausrüstung für die kommenden Wandertouren in der Wildnis. Bearspray = rechts oben.

So, zu guter Letzt gibt es wie immer den Musiktipp. Heute wieder Rockmusik aus England, dieses Mal von Judas Priest. Das Lied passt auch gut zu den Bedingungen des heutigen Halbmarathons, es ist aus dem Album “Turbo”. Aber auch sonst ist es eines meiner absoluten Lieblingslieder von dieser coolen Band. Nochmals vielen Dank an Andreas Bramer, mit dem ich 2015 den Nestor Cup gewonnen habe, und der mich erst auf die Band aufmerksam gemacht hat.

Judas Priest – Out in the cold

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Author: Ralf

Passionate Canada -Visitor and -Lover. Ex- Army Officer and Retail Manager. Long distance runner, climber, hiker, fan of all kinds of games and animal friend. Loves music but has a weird taste: British Metal, German Gangsta-Rap, some Dance-pieces (mostly 90s), non- lyric beats and most Rock/Punk- music.

One thought on “10. Halbmarathon Red Deer”

  1. Wow Ralf, was du alles in einem Tag machst, das machen manche in einer ganzen Woche nicht! Gratulation zum Halbmarathon 🙂
    Wie ich sehe/lese, genießt du deine Zeit auch bei herbem Wetter. Die Bundeswehrzeit macht’s! 🙂

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