9. Edmonton

Red Deer, Kanada, 21.05.2016

Mittlerweile ist es Samstag, 21.05.2016, 21:00 Uhr Ortszeit und ich sitze in einem Hotelzimmer in beschaulichen Städtchen Red Deer. Wenn ich so aus dem Fenster gucke, sehne ich mich schon nach den trockenen und sonnigen Tagen der letzten Woche zurück. Vor allem weil morgen früh der Halbmarathon ansteht und Laufen im Regen mal kaum Spaß macht. Meine Laufsachen habe ich jedenfalls heute schon abgeholt, so dass ich dann morgen einfach nur noch da sein und loslaufen muss. Also ganz entspannt….

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Ziel vom Halbmarathon in Red Deer am 22.05.2016

Aber nun erstmal zurück zu den Edmonton- Tagen. Am Donnerstag bin ich nach dem Schreiben vom Blog erstmal eine grosse Runde laufen gegangen. Danach haben Shawn und ich etwas gegessen und ich bin alleine weiter zum Muttart Conservatory gefahren. Beim Muttart Conservatory handelt es sich um 4 Pyramiden mit jeweils eigener Biosphäre, entsprechendem Klima und den dazugehörigen Pflanzen. Aus Platzgründen beschränke ich mich hier darauf, neben dem Titelfoto (siehe oben) und dem Foto einer Pyramide nur ein Foto aus der “Arid”- Biosphäre zu zeigen.

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Vegetation in der “Arid”- Biosphäre
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Eine der 4 Pyramiden des Muttart Conservatories

Wer jetzt gerade gedacht hat: “Mensch, das ist irgendwie neblig in Edmonton” oder “Man kann ja gar nicht die Sonne über der Pyramide sehen”, der hat das besondere Wetter am Donnerstag in Edmonton gut erkannt. Ab Nachmittags roch es überall in der Stadt stark nach Rauch und Feuer und die Stadt lag unter einer Nebel- bzw. Aschewolke. Das waren direkte Auswirklungen der Waldbrände bei Fort McMurray, deren Rauchwolken bei entsprechenden Windverhältnissen bis nach Edmonton hineinziehen. Eine echt interessante Erfahrung für die Augen und die Lunge. Zum Glück war das nur am Donnerstag so und ab Freitag nicht mehr. Wäre aber am Freitag auch nicht so schlimm gewesen, da ich an dem Tag wenig an der frischen Luft war. Ich habe erstmal den Großteil des Tages in der West Edmonton Mall verbracht, mir die Mall angeschaut und natürlich auch eine Menge eingekauft. Zugegeben, das war schon ein Erlebnis. Neben hunderten Geschäften hat man da auf 2 Etagen unter anderem die folgenden Sachen in der Mall untergebracht: Einen Erlebnis- Minigolfkurs, eine Grossfläche zum Eislaufen (wurde am Freitag genutzt für eine Autoshow von Toyota), ein Erlebnis- Schwimmbad mit zig Wasserrutschen, eine riesige Wasserfläche mit begehbarem Piratenschiff und Showbecken mit dressierten Robben, etc….

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Showbecken mit dressierten Robben, rechts der Bug des Piratenschiffs
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Erlebnisbad in der West Edmonton Hall
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Spendenstation für die Einwohner von Fort McMurray

Was mich an dem Tag auch stark erstaunt hat, war, dass viele Geschäfte zum Spenden für die Bewohner von Fort McMurray aufgerufen haben. Zudem können die Bewohner von Fort McMurray derzeit bei vielen Geschäften in der Mall mit individuellen Preisnachlässen in Höhe von bis zu 25% rechnen. Man sorgt sich hier wirklich um das Wohlergehen der stark gebeutelten Mitmenschen, was ich nur begrüssen kann.

Am Freitag Abend sollte es dann eigentlich zum Konzert der Band “Brian Jonestown Massacre” gehen. Leider wurde daraus nix, da die Jungs wohl Probleme bei der Einreise nach Kanada hatten. Also sind Jaime, Shawn und ich zunächst etwas essen gegangen und sind dann weiter in eine Bar ins Stadtzentrum gefahren. Dort haben wir es aber aufgrund der nicht unbedingt weltbewegenden Live- Musik nicht allzu lange ausgehalten. Immerhin weiss ich jetzt, wie Bier mit echten Himbeeren drin schmeckt und das man auch Bier mit Blaubeer- Geschmack brauen kann. Interessante Geschichte das…

Heute morgen sind wir relativ spät aufgestanden und haben uns dann dazu entschlossen, beim “Escape City”- Laden vorbei zu schauen. Der Laden bietet Rätselspiele an, die wie folgt ablaufen: Man wird ohne Hilfsmittel in einen Raum gesperrt und muss nacheinander eine Menge unterschiedlicher Rätsel lösen, die einem am Ende das Entkommen aus dem Raum ermöglichen. Das Ganze sollte man in 45 Minuten schaffen, die Profis brauchen dafür aber nur etwas mehr als 20 Minuten. Jaime, Shawn und ich haben uns für einen moderat schweren Raum entschieden und auch viele Rätsel lösen können. Am Ende haben wir es aber doch nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft. Das lag mit Sicherheit auch daran, dass wir uns deutlich über 10 Minuten damit aufgehalten haben, nach einem Hinweis zu suchen, den wir gar nicht finden konnten. Die Mitarbeiter des Ladens hatten beim letzten “Zurücksetzten” dieses Raumes vergessen, den für uns nicht zugänglichen Ball zurück in die dafür vorgesehene Schatzkiste zu tun. So haben wir dann nach dem Lösen des ersten Rätsels eine leere Schatzkiste gehabt und uns halt erstmal lange Zeit gewundert, was man mit dem leeren Teil jetzt weiter machen soll. Wie auch immer, es war trotzdem eine coole Geschichte und hat viel Spass gemacht. Muss mal gucken ob es sowas auch in London gibt. Würde das gerne nochmal machen, war schon echt amüsant. Nach dem Rätseln haben wir im Fischrestaurant DaDeO auf der Whyte Avenue etwas gegessen und sind anschliessend ins Board Game Café gefahren. Super cooler Laden. Man kann dort alle möglichen Spiele (gesehen habe ich u.A.: Caverna, Agricola, Dominion, Seasons, Smash Up, Puerto Rico, Istanbul, Dominant Species, Terra Mystica, Innovation,…) spielen und sich dabei natürlich auch Drinks holen. Ziemlich klar, wo ich häufiger wäre, wenn ich in Edmonton leben würde. 🙂

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Board Game Café von aussen, Edmonton
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Regal mit Brettspielen (nur ein Teil der vorhandenen Sammlung)

Nach dem Besuch im Board Game Café habe ich dann meine Sachen gepackt und bin losgefahren in Richtung Red Deer. Ich blicke auf ein paar echt schöne Tage in Edmonton mit Jaime, Shawn und einer verschmusten Katze (“Kitty”) zurück. An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank und liebe Grüsse an Jaime und Shawn, die mich mit viel Herzlichkeit und Offenheit empfangen haben und mir tolle Gastgeber waren. 🙂

Ach ja, bevor ich vergesse es zu berichten: Es gab noch eine interessante Fortsetzung der Geschichte mit Marmy, dem Murmeltier. Wie sich herausstellte, war Marmy schwanger und hat zunächst eines ihrer Babys im Auto auf der Fahrt in die Wildlife Auffangstation bekommen und ihr Zweites dann in der Auffangstation selber. Mutter und Kinder bleiben jetzt erstmal dort unter Beobachtung, werden dann aber wieder ausgewildert wenn die Kleinen halbwegs selbstständig sind. Jedenfalls erklärt dieser Umstand jetzt auch, warum sich Marmy sowohl im Jeep von Jo Anne und Doug als auch in deren Garage unbedingt ein Nest bauen wollte. Die Fotos hat mir Jo Anne netterweise geschickt. So ist der Abschluss dieser Story nicht nur auf ihrer Facebook- Seite, sondern auch hier im Blog nachzulesen…

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Gwen mit Marmy in der Lebendfalle, Garage von Jo Anne und Doug
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Marmy auf dem Weg in die Auffangstation

Da das Konzert vom “Brian Jonestown Massacre” ausgefallen ist, kann und will ich jetzt hier keinen Musiktipp dieser Band veröffentlichen. Anstatt dessen gibt es jetzt einen Tipp aus der Kategorie “Deutscher Gangsta- Rap: Muss das sein???”. Ja, es muss. Auch deshalb weil Kollegah selbst nicht müde wird zu betonen, dass er Deutsch- Kanadier ist. Wofür ich ihn beneide, da er damit sehr viel einfacher hierhin auswandern kann als jemand ohne die kanadische Staatsbürgerschaft. Und ein paar seiner Lieder kann man sich wirklich gut geben. Denn neben der oft ziemlich stumpfen Text- Oberfläche der Lieder (ja, alles voll Gangsta und so….) sind die Lieder schon künstlerisch und technisch ansprechend gestaltet mit Doubletime, guten Flows, mehrsilbigen Reimketten und Wortspielen. Da steckt eine Menge Arbeit, Gehirnschmalz und Präzision drin. Aber das erkennt man nur, wenn man sich damit etwas eingehender auseinander setzt und sich nicht vom Text abschrecken lässt. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, die Alben von ihm gekauft zu haben. Der folgende Track stammt aus dem “Zuhältertape Vol.4”, was sich rein inhaltlich nicht so weltbewegend unterscheidet von “Bossaura”, “King” oder “Zuhältertape Vol.3”. Aber sei’s drum… 🙂

Kollegah – Wall Street

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Author: Ralf

Passionate Canada -Visitor and -Lover. Ex- Army Officer and Retail Manager. Long distance runner, climber, hiker, fan of all kinds of games and animal friend. Loves music but has a weird taste: British Metal, German Gangsta-Rap, some Dance-pieces (mostly 90s), non- lyric beats and most Rock/Punk- music.

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