15. Jasper – Maligne Canyon & 7 Lakes

Kamloops, Kanada, 30.05.2016.

Mittlerweile ist schon Montag Abend und ich habe noch nicht einmal über Freitag berichtet. Also muss ich mal ein bisschen Gas geben mit der Berichterstattung und sowohl heute Abend als auch morgen früh einen Beitrag schreiben. Sollte aber gehen. Das Interessanteste am Blog sind sowieso die Bilder, also werde ich mich jetzt ein wenig darauf beschränken.

Wenn man Freitaq und Samstag zusammen zählt, habe ich neben dem Maligne Canyon insgesamt 7 verschiedene Seen angeguckt. Hier nicht mitgezählt sind die kleinen Seen, an denen man unweigerlich bei der Fahrt durch den Nationalpark immer wieder vorbeikommt. Aber immer der Reihe nach.

Freitag Vormittag bin ich mit grossen Erwartungen zum Maligne Canyon gefahren, da er mir von mehreren Seiten als wunderschön angekündigt worden ist. Hier muss ich eindeutig zustimmen: Der Canyon ist ein “Must see”. Zwar sind auch hier wieder jede Menge Touristen unterwegs, aber wenn man ein wenig stromabwärts wandert (ich bin bis Brücke 5 gegangen), ist man bald fast alleine unterwegs und es wird zunehmend ruhig. Bei den Bildern des Canyons ist es ähnlich wie mit den Bilder der Wasserfälle: Leider geben sie die komplette Schönheit der Natur und des Erlebnisses nur zu einem kleinen Teil wieder. Neben dem Beitragsbild (siehe oben), sind die folgenden Aufnahmen in dem Canyon entstanden:

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Wasserfall im oberen Teil des Canyons.
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Grosses “Pothole” (vom Wasser ausgeschwaschenes Loch im Fels).
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Ruhiges und schnelles Wasser gehen ineinander über.
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Zwischendrin immer wieder Stromschnellen im Canyon.
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Wasserzulauf aus einem Nebenbach. Sieht aus wie 1000 feine Haare.

Am Canyon hat mir persönlich sehr gut gefallen, dass sich turbulente Passagen immer wieder mit ruhigen Strecken abgewechselt haben und man an vielen Stellen die enorme Kraft des Wassers bewundern kann. So sieht man z.B. auf dem ersten Bild (Wasserfall), dass das Wasser im Laufe von tausenden Jahren einen immer grösseren Bereich unter und hinter dem Wasserfall ausgewaschen hat und dort ein sogenanntes “Pothole” entstanden ist. Alleine durch die Bewegung des Wassers und kleinster Teile (z.B. Sand oder Kiesel) wird der weichere Stein über die Jahrtausende abgetragen und es entstehen im Canyon diese runden, eher unnatürlich anmutenden Formen. Und der Canyon wird natürlich mit der Zeit auch immer tiefer, da das Wasser ja Teile des steinernen Untergrundes abträgt. Sehr interessant und sehenswert das Ganze jedenfalls. Mein absolutes Lieblingsbild vom Maligne Canyon ist aber der Wasserzulauf aus einem Nebenbach, siehe letztes Bild. Auch hier gilt wieder: In Natura sieht das noch viel viel schöner aus. Vor allem natürlich, weil es bewegt ist. Der Anblick war einfach atemberaubend. Soooo nice. 🙂

Nach diesem Highlight bin ich dann weiter in Richtung Medicine Lake und Maligne Lake gefahren. Also die ersten beiden der im Titel des Beitrags angekündigten sieben Lakes. Beide fand ich eher unspektakulär und würde sie nicht zwingend zum Besuch empfehlen. Auch gibt es andererorts durchaus bessere Strecken zum Wandern. Maligne Lake ist jedoch sehr gut touristisch erschlossen und man kann dort auch paddeln, etwas essen oder Motorboot fahren. Hätte ich mir überlegt wenn das Wetter deutlich besser gewesen wäre… Aber eine Sache auf dem Weg vom Maligne Canyon zum Maligne Lake fand ich doch sehr interessant und erschreckend zugleich: 2015 gab es einen grossen Waldbrand beim Medicine Lake (liegt zwischen Maligne Canyon und Maligne Lake), der von einem Blitzschlag ausgelöst worden war. Die Spuren sind heute noch deutlich zu erkennen und streckenweise sieht es echt kahl, öde und gespenstisch rund um den Lake aus. Zwar ist damals zum Glück nicht so viel Wald verbrannt wie jetzt bei Fort McMurray, doch ist auch hier eine grosse Fläche vernichtet worden und die Einsatzkräfte hatten ihre liebe Mühe, den sich zum Teil unterirdisch ausbreitenden Brand unter Kontrolle zu bekommen. Die Auswirkungen des Brandes sind jedenfalls auch heute noch sehr deutlich zu erkennen.

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Medicine Lake mit tief hängenden Wolken.
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Abgebranntes Waldgebiet beim Medicine Lake.
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Medicine Lake. Man sieht am Wald den schwarz/grün- Übergang zwischen verbranntem und gesundem Wald.
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Maligne Lake bei schlechtem Wetter.

Nach dem Besuch der beiden Lakes habe ich am Freitag nichts mehr Grosses unternommen. Dafür bin ich dann aber am Samstag Vormittag vor meiner Fahrt nach Grande Cache noch in das “Valley of the Five Lakes” gefahren. Dort liegen fünf kleine Seen unmittelbar nebeneinander und man kann alle auf einem recht entspannten Wanderweg aus der Nähe bewundern. Interessant ist dabei vor allem, dass sich die kleinen Seen nicht nur in Größe und Form, sondern vor allem auch in der Farbe zueinander unterscheiden. Diese Farbunterschiede konnte man aber auch schon innerhalb der einzelnen Lakes erkennen. Ich habe mal aus den vielen Bildern mal nur drei Stück herausgesucht, auf denen man die Farbunterschiede ganz gut erkennen kann.

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Relativ dunkler Lake mit hellen Aussenrändern.
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Relativ heller Lake mit dunklen Einfärbungen.
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Sehr flacher Lake mit Sandboden, daher fast komplett klares Wasser.

Obwohl ich wegen dem Halbmarathon am Sonntag noch unsicher war, ob ich Samstags wandern gehen sollte, bin ich doch froh, dass ich das gemacht habe. Der Ausflug zu den fünf Seen war sehr schön und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Auch der Wanderweg war nicht zu lang, so dass ich dann gegen frühen Nachmittag in Richtung Grand Cache starten konnte. Was da so passiert ist, gibt es aber erst im nächsten Blogeintrag zu lesen.

Der heutige Musiktipp kommt von einer Rockband, die mich mit ihren Liedern vor allem letztes Jahr bei meiner Wandertour im Elsass begleitet hat. Ich kann alle Alben wärmstens empfehlen, vor allem aber die Alben “Rise” und “Awake”. Neben echt rockigen Stücken gibt es auch langsamere und nachdenkliche Lieder, also ein toller Mix. Das folgende Lied ist vom Album “Awake” und hat rein inhaltlich schon grosse Ähnlichkeit mit dem Musiktipp von Motorjesus aus Blog- Eintrag Nr. 6:

Skillet – Monster

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14. Jasper – Wasserfälle

Grande Cache, Kanada, 28.05.2016.

Bevor ich jetzt den Blogeintrag für Donnerstag schreibe (irgendwie bin ich mit dem Blog ein bisschen hinterher… Werde versuchen, das bis Montag ein bisschen aufzuholen), muss ich kurz beschreiben wo ich bin und wie es hier ist. Grand Cache ist knapp 3 Autostunden von Jasper entfernt und auch für kanadische Verhältnisse ziemlich weit ab vom Schuss. Aber das Dörfchen hat einen sehr eigenen Charme (tolle Berge rundherum!) und es hat mir auf Anhieb gefallen. Ich bin ja eigentlich nur hier, um den Halbmarathon morgen zu laufen. Aber ich glaube, ich werde mir morgen noch ein wenig Zeit nehmen und die ein oder andere Sache hier anschauen. Angekommen bin ich heute am späten Nachmittag und habe mir mein “Race- Packet” im Tourist- Centre abgeholt. Die haben da schon eine Menge reingepackt, inklusive einer Trinkflasche und T-Shirt. Siehe Foto.

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Inhalt des Race- Packets für den Mountain Madness Marathon

Das mit der Flasche ist auch eine tolle Idee, vor allem weil es morgen keine Getränkestationen beim Lauf geben wird. Aber warum auch, es geht ja nur dauernd bergauf- und bergab wie mir gesagt wurde. 🙂 Einfach geil. 😉 Praktisch auch, dass man uns ein Bärenglöckchen mit eingepackt hat aufgrund der Bärengefahr rund um die Laufstrecke. Egal wie es morgen ausgeht, der Lauf hat schon jetzt seinen ganz eigenen Charme und ich finde das echt zum Grinsen. Ich glaube so einen Lauf macht man nicht so häufig im Leben. Wo wir schon bei einer anderen Sache sind, die mir heute ins Auge gefallen ist. Hier gibt es die sogenannte “Canadian Death Race” jeden Juli/August. Das ist ein 125 Kilometer Lauf. Okay, im Moment schaffe ich das mit Sicherheit noch nicht, das weiss ich. Keine Frage. Marathon wäre wohl drin aber ist mir zu langweilig. Vielleicht müsste ich wirklich mal mit der Marathon- Distanz anfangen und gucken wie das so klappt. Aber die Death Race ist vielleicht mal ein Projekt für die Zukunft. Man wird ja noch träumen dürfen. 🙂 Noch bin ich in einem Alter, in dem ich das schaffen kann. Ich war versucht, im Tourist- Centre auch ein paar Merchandising- Artikel von der Death Race zu kaufen aber das wäre einfach zu billig. Glaube sowas darf man erst tragen, wenn man erfolgreich teilgenommen hat. Also habe ich nichts dergleichen mitgenommen. Dafür aber ein paar andere Souvenirs, denn die hatten dort viele schöne, größtenteils auch handgemachte Sachen. Und ausserdem auch eine sehr nett gemachte, kleine Ausstellung über den Ort und seine Geschichte. Nach dem Besuch im Tourist- Centre habe ich dann getankt, mir ein Sandwich bei Subway geholt, den Ort des morgigen Marathon- Starts angeguckt und mein Bed&Breakfast- Zimmer bezogen. Hier hat ein Ehepaar einfach einen modernen Gästeraum mitten im Haus eingerichtet mit allem Schnickschnack (Badewanne, KingSize- Bed, riesiger Flatscreen- TV,…) und genau dort sitze ich jetzt. Ist schon irgendwie zum Schmunzeln wie es im Moment so läuft hier. Kann mich nicht beklagen…. 🙂

Aber jetzt erstmal zurück zum Donnerstag. Morgens habe ich zunächst die Sunwapta Falls besucht und bin dort bis zum unteren Teil der Wasserfälle gewandert. Die Wasserfälle an sich sind wirklich schön und ich habe es auch sehr genossen, dass dort nicht so viele Touristen unterwegs waren. Ja, das Thema hatten wir schon….

 

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Sunwapta Falls, oberer Teil.
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Sunwapta Falls, mittlerer Teil.
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Sunwapta Falls, unterer Teil.

Leider können die Bilder nur sehr beschränkt wiedergeben, wie es dort war. Vor allem die Gischt, das laute Rauschen des Wassers und der Panoramablick rundherum haben diesen Besuch zu einem Erlebnis für alle Sinne gemacht.Das Gleiche gilt auch für die Athabasca- Falls, die ich direkt danach besucht habe. Also jede Menge Wasserfälle an diesem Tag.

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Athabasca- Falls, Hauptwasserfall längs.
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Athabasca- Falls, Hauptwasserfall quer.
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Regenbogen am Athabasca- Fall.
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Rabe am Ufer des Athabasca- Rivers. Er pickt gerade Ameisen aus einem Ameisenhaufen.

Auch wenn die Sunwapta- Falls sicher nicht ganz so spektakulär waren wie die Athabasca- Falls, fand ich doch erstere irgendwie schöner. Liegt vielleicht daran, dass die Athabasca- Falls wirklich eigentlich nur aus diesem einen grossen Wasserfall bestehen und dann nicht mehr viel kommt flussabwärts. Oder es ist deshalb, weil bei den Athabasca- Falls auch wieder jede Menge Touristen waren und man teilweise Schwierigkeiten hatte, vor fotografierenden Leuten irgendwo mal in Ruhe zu stehen und zu gucken. Daher bin ich dann ein wenig flussaufwärts gegangen (dort wo kein Tourist freiwillig hingehen würde, gibt ja nix zu fotografieren da…), habe dort Pause gemacht und mir ein kleines Schauspiel angucken können. Ein Rabe kam zu mir gelaufen und hat anscheinend auf etwas zu Essen spekuliert. Gibt aber nix von mir, blöd gelaufen. Also ist er kurzerhand zu einem Ameisenhaufen gegangen, hat ihn ein bisschen auseinandergepflückt und sich dann ein paar der Tiere einverleibt. Solch ein Verhalten habe ich auch noch nicht von einem Raben gesehen…

Nach dem Besuch der beiden Wasserfällehabe ich mich auf den Weg nach Jasper gemacht. Dort angekommen, bin ich nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt weiter zum Pyramid Lake gefahren, da es noch früh am Nachmittag war und ich noch nicht in den Pine Bungalows einchecken wollte. Am Pyramid Lake bin ich dann wieder ein Stück gewandert und habe mir auch die Insel im Lake angeschaut. Allerdings muss ich sagen, dass der Pyramid Lake mit seiner Insel und dem namensgebenden Berg nicht soooo richtig spektakulär war. Obwohl das schon relativ ist, wenn man Superlative miteinander vergleicht. Der etwas eingetrübte Eindruck kann aber auch dadurch gekommen sein, dass es sehr bedeckt war und es dann auch angefangen hat zu regnen. Insgesamt hatte ich mit dem Wetter in Jasper nicht so viel Glück wie mit dem Wetter in Banff. Aber was kann man da machen? Zum Glück hatte ich keine Blizzards, also will ich mich nicht beklagen. Die Natur war auch mit Wolken am Himmel schön…

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Pyramid Lake mit dem namensgebenden Berg im Hintergrund.
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Insel auf dem Pyramid Lake.

Nach dem Besuch am Pyramid Lake bin ich dann zu den Pine Bungalows gefahren, habe dort eingecheckt und den Rest des Tages mehr oder weniger gechillt. Abends war ich dann noch in Jasper im Supermarkt einkaufen (TEUER!!!) und lecker beim Chinesen essen. Eine grosse Kanne toller China- Tee hat gerade mal 1,50 kanadische Dollar gekostet. Das war mal konkurrenzlos günstig!

Der heutige Musiktipp kommt von einer deutschen Rockband aus Bonn: Deserted. Grundsolider Rock, wobei das Album “Heroes” meiner Meinung nach deutlich besser ist als das “Awake”. Aber das ist Geschmackssache. Der empfohlene Track ist jedenfalls vom “Heroes”- Album:

Deserted – Rewrite History

 

 

 

 

13. Von Banff nach Jasper

Jasper, Kanada, 27.05.2016

Nachdem ich am Montag und am Dienstag intensiv gewandert bin und viel gesehen habe, ist am Mittwoch (25.05.) schon der Tag des Abschieds aus dem Banff-Nationalpark gekommen. Mein Plan war es, an dem Tag ein paar Orga- Sachen zu erledigen, bis Abends zu meinem Zwischenstopp bei den Sunwapta Falls zu fahren und ein paar der auf dem Weg gelegenen Sehenswürdigkeiten anzugucken. Das hat auch soweit ganz gut geklappt. Nach dem Auschecken im Hotel habe ich zunächst in der Wäscherei in Canmore meine Klamotten gewaschen und dabei den Grossteil des letzten Blogeintrags geschrieben. Danach habe ich dann erstmal vollgetankt und bin weiter in Richtung Banff gefahren. Im Internet hatte ich gesehen, dass es dort eine Schneiderei gibt. Und zu dieser Schneiderei wollte ich, da meine beiden Outdoor- Hosen mittlerweile Risse in der äusseren Materialschicht hatten. Kein Wunder bei einem Alter von über 11 Jahren und den ganzen Belastungen. Nach kurzem Suchen habe ich die Schneiderei dann auch gefunden und dort Maria, eine gebürtige Ungarin, getroffen. Wir sind sofort gut ins Gespräch gekommen und sie hat sich dann auch direkt meine Hosen zum Reparieren geschnappt. Natürlich hat das was gedauert und in der Zwischenzeit habe ich etwas gegessen, eingekauft und mir ein bisschen Banff Downtown angeguckt. Ein ganz nettes Städtchen, vor allem mit dem Berg- Panorama.

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Hauptstrasse in Banff City.

So gegen 14:00 Uhr bin ich dann aufgebrochen in Richtung Sunwapta Falls. Auf dem langen Weg zwischen Banff und Jasper habe ich einige Male angehalten und ein paar Fotos gemacht. So zum Beispiel beim Bow Lake, den ihr im Titelbild (oben) seht. Aber an zwei besonders interessanten Orten habe ich einen längeren Zwischenstopp eingelegt: Peyto Lake und Athabasca Glacier.

Den Stopp bei Peyto Lake hatten mir die beiden Kaliforniern beim Wandern am Tag zuvor wärmstens empfohlen. Und sie hatten Recht damit. Es hat sich definitiv gelohnt, dort anzuhalten. Neben dem schönen Panorama, was es dort zu sehen gab, habe ich ausserdem ein nettes, älteres kanadisches Ehepaar getroffen. Wir haben uns über einige interessante Sachen unterhalten, z.B. dass der Peyto- Gletscher der am schnellsten verschwindende Gletscher in Kanada ist oder was der Unterschied zwischen Squirrels und Chipmunks ist. Jetzt weiss ich, dass Chipmunks Streifen im Gesicht haben und Squirrels eben nicht. Der kleine Kerl beim Lake Louise war also, richtig vermutet, ein Squirrel. 🙂

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Peyto Lake in seiner tollen Färbung.
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Blick auf den Bereich, wo früher der Pyto- Gletscher war. Rechts der beginnende See.

Peyto Lake hat, genau wie Lake Louise und Lake Moraine, eine deutlich hellere, fast schon türkise Färbung. Dies kommt dadurch, dass das geschmolzene Eis aus den Bergen Mineralien aus dem Stein transportiert und das Wasser dadurch das Licht anders reflektiert als “normales” Wasser ohne diese zusätzlichen Mineralien. Es mag sein, dass sich die Farbe des Sees eines Tages ändert, wenn nach dem kompletten Verschwinden des Peyto Glaciers der Zulauf von Gebirgswasser in den See deutlich abnimmt. Dann wird der See wahrscheinlich seine hellere Färbung verlieren und in ein “normales” Blau wechseln. Das macht einen schon nachdenklich, wenn man bedenkt, dass wir mit dem Klimawandel an dieser Entwicklung massgebliche Schuld tragen. Nachdenklich gemacht hat mich am Peyto Lake aber auch wieder, dass es anscheinend überall Touristen gibt, die sich nicht benehmen können. Dieses Mal waren es Deutsche. Statt auf den Wegen zu bleiben, müssen sie über Absperrungen klettern um ein optimales Bild oder eine wahnsinnig tolle Selfie- Pose hinzubekommen. Siehe erstes Foto, rechts unten auf dem Felsvorsprung. Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Thema mit den respektlosen Touristen begleitet mich hier irgendwie täglich. Das ist schon schade, wenn man mit angucken muss, wie dumm, selbstsüchtig oder gedankenlos ein paar Vertreter unserer Spezies durch das Leben wandeln. Aber das soll hier nicht das Hauptthema sein…

Zurück zum Klimawandel. Das Problem der Erderwärmung wurde für mich noch viel deutlicher, als ich auf dem weiteren Weg nach Jasper den Athabasca- Gletscher gesehen habe. Dort wo früher das Eis noch bis zur Strasse gereicht hat, ist heute eine öde Gerölllandschaft, die einen ein bisschen an die Bilder vom Mond erinnert. Der einstmals stolze Gletscher hat mittlerweile mehr als 60% seines Eises verloren und ist, gemessen an seiner ehemaligen Höhe und Länge, mittlerweile leider nur noch ein Schatten seiner selbst.

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Blick auf den Athabasca Gletscher (links) und einen weiteren Gletscher (rechts) vom Parkplatz bei den Columbia Icefields.
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Direkt vor dem Athabasca- Gletscher.
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Blick auf das Vorfeld des Gletschers: Geröll, abgeschliffener Stein und kleiner See mit Schmelzwasser.
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Blick auf den anderen Gletscher. Auch dieser mittlerweile erheblich kleiner…

Auf den Bildern kann man erkennen, dass beide Gletscher einst viel grösser waren als heute. Gerade an den Bergrändern sieht man, bis wohin sie früher gereicht haben und wie sie sich im Laufe der Zeit ihren Weg gebahnt haben. Schon schade, wenn man bedenkt, dass dieser Anblick vielleicht schon in ein paar Jahren ganz verschwunden sein wird und der Fremdenführer dann sagen wird: “Jetzt stellen Sie sich mal vor, dass hier ganz viel Eis ist und sehr sehr kalt.”. Ja, schon beängstigend.

Wer jetzt den Eindruck hat, ich würde meinen Urlaub nicht geniessen und hätte nur schlechte Gedanken, der irrt. Klar, es kommt wahrscheinlich jetzt so rüber, aber das ist jetzt auch nur ein Teil meiner Gedanken an dem Tag gewesen. Trotz der unglaublichen Schönheit der Natur und aller Sehenswürdigkeiten hier will ich mich der manchmal unbequemen Realität nicht verschliessen und machen mir auch solche Gedanken, die für den ein oder anderen vielleicht nicht in den Urlaub passen. Anyway, ich habe mir den Rest der Columbia Icefields dann nicht mehr angeschaut, bin nicht mit dem Snowbus AUF die Icefields drauf gefahren und habe auch nicht den Skywalk besucht (sieht ähnlich aus wie der beim Grand Canyon), der unnötigerweise alleine für die Touristen mitten in die Natur reingebaut wurde. Pfui. Das soll es jetzt aber auch an negativen Gedanken gewesen sein.

Der Rest meiner Mittwochs-Reise war relativ ereignislos. Bin gegen Abend bei den Sunwapta Falls angekommen, habe dort meine Cabin in der Lodge bezogen, den letzten Blogeintrag noch fertig geschrieben und bin dann auch recht schnell eingeschlafen. Eine Zeit lang hatte ich noch mit dem Gedanken gespielt, den Kamin in der Hütte anzumachen aber mir war warm genug und ich wollte nicht wirklich gegrillt werden in der Butze….

Der heutige Musiktipp kommt aus dem Bereich des Hip Hops und es ist ein wunderschöner aber melancholischer Track, der mich immer wieder an so einige traurige Erlebnisse in meinem Leben erinnert. Einfach ein Lied, das nachdenklich macht. Das Album gab es damals als Free- Download und man kann sich durchaus auch ein paar der anderen Songs auf “Fly Punkt Null” anhören. Die Künstler, Mikzn70 und E.P.Eazy, treten hier unter einem anderen Synonym auf:

Chronick und Bläize – Sterne gucken

12. Banff – Valley of 10 Peaks

Canmore & Sunwapta Falls, 25.05.2016

Auf dem Rückweg vom Lake Louise nach Canmore kommt man automatisch an der Abzweigung zum Lake Moraine und dem Valley of the 10 Peaks vorbei. Am Montag Abend stand dort ein Schild, dass die Strasse noch gesperrt ist und man also noch nicht dorthin fahren kann. Im Hotel habe ich dann danach gegoogelt, wann diese Strasse vermutlich wieder öffnen wird und siehe da: Am 24.05., also am Dienstag! Was lag also näher, als am Dienstag sofort früh morgens dorthin zu fahren? Genau das habe ich dann auch gemacht.

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Lake Moraine mit Blick auf einen Teil der 10 Peaks.

Am Lake Moraine selber bot sich dann das gleiche Bild wie am Lake Louise: Jede Menge Touristen, hauptsächlich Asiaten. Was einen aber vor allem stutzig machte, war, dass viele Leute (nicht nur die Asiaten, sondern auch die Europäer und Nordamerikaner) keinerlei Respekt vor den dortigen Nutzungsregeln hatten. Trotz der vielen Schilder, dass man doch bitte wegen der Vegetation und der Tierwelt auf den Wegen bleiben sollte, standen Touristen häufig auch abseits der Wege in Selfie- Pose, mit dem altbekannten Selfie- Stick oder sogar mit Kamerastativen. An dieser Stelle gibe es von mir einen herzlichen Glückwunsch an die menschliche Dummheit. Gibt Sachen, die ich einfach nicht verstehe. Naja, ich habe es dann auch hier so gehalten wie am Lake Louise: Weg von den Touristen, ab in die Wildnis. Dumm nur, dass die Strafen für alleiniges Wandern im Valley of the 10 Peaks ziemlich übel ausfallen können, siehe Foto unten.

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Warnschild vor Bären mit Strafandrohung bei Fehlverhalten.
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Mein Wanderweg am Dienstag: Larch Valley Trail, dann Eiffel Lake und zurück.

Also habe ich ein wenig gewartet und dann auch schnell ein paar andere Wanderer getroffen, die grob in meine Richtung wollten. Mein Plan war es, zum Sentinel Pass zu wandern (siehe Foto oben), während die beiden Jungs aus Kalifornien und das Pärchen aus Calgary zum Eiffel Lake gehen wollten. Wir sind dann jedenfalls erstmal los gelaufen und haben uns auf dem Weg gut miteinander unterhalten. Nach 2,3 Kilometern sind wir dann am Gabelpunkt angekommen, von dem aus man entweder weiter in Richtung Sentinel Pass oder in Richtung Eiffel Lake gehen konnte. Praktischerweise ist dann kurz nach uns noch eine andere Wandergruppe am Gabelpunkt angekommen, die genau wie ich auch weiter zum Sentinel Pass gehen wollte. Also habe ich mich ihnen angeschlossen und jede Gruppe konnte dann problemlos weiter dorthin gehen, wohin sie eigentlich wollte. Meine neue Wandergruppe bestand aus 4 Studenten: ein Mädel aus Montreal und drei Jungs aus England. Wie sich später herausstellte, kaufen die Jungs in England auch gerne bei Lidl ein und sie vermissen unsere Produkte und unser gutes Preis- Leistungsverhältnis hier in Kanada. Ja, kann ich verstehen. 🙂 Einer der Jungs kam aus Brighton, wo Jon (ein Kollege von mir) einen unserer Stores betreut. In dem Store war ich auch schon mehrere Male während meiner Einarbeitung in England. So klein ist die Welt…

Auch mit den Leuten in dieser Wandergruppe habe ich mich gut verstanden und wir sind erstmal den Larch Valley Trail bis zu den Minnestimma Lakes gewandert. Von dort aus sollte es dann hoch auf den Pass zwischen zwei Bergen gehen. Aber dieser Pass war noch halb zugeschneit (siehe „Z“- Muster auf dem Foto unten. Kaum zu sehen in dieser Auflösung. Nur der obere Teil ist schneefrei.) und wir haben direkt am Berg daneben zugucken können, wie eine kleine Schneelawine abging. Sehr imposant, vor allem weil es echt laut war. Also eher keine Option, den Pass rauf zu klettern. Wir haben uns dann dazu entschlossen, erstmal was zu essen und ein wenig Pause zu machen.

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In der Mitte: Der Weg zum Sentinel Pass zwischen den beiden Bergen. Das “Z”- Muster des Trails ist nur am oberen Teil zu sehen, der untere Teil ist verschneit.
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Larch Valley (dort wo die Bäume sind) mit einem Teil der 10 Peaks.

Vom Fuß dieser Berge hatten wir auch eine super Aussicht auf die zehn Berggipfel (“10 Peaks“), die für dieses Tal namensgebend sind. Leider habe ich mit meiner Kamera nicht das ganze Panorama in einem Bild einfangen können (die zehn Berggipfel sind einfach zu weit auseinander), aber ein paar der Gipfel sind zu sehen. Ich glaube sowieso, dass man dagewesen sein muss, wenn man die ganze Schönheit der Gegend erfassen will.

Nach dem Essen hat meine Wandergruppe dann beschlossen, wieder runter zum Lake Moraine zu laufen, um dann noch weiter zum Lake Louise zu fahren. Das war allerdings keine Option für mich, denn es war noch genug Zeit, weiter zum Eiffel Lake zu wandern. Wir sind dann noch gemeinsam wieder runter zum besagten Gabelpunkt gelaufen und haben uns dort getrennt. Dann bin ich weiter alleine in Richtung Eiffel Lake gelaufen. Nein, mich hat kein Ranger angehalten, ich musste keine 5000 Dollar Strafe zahlen und ich habe auch keine Bären getroffen. ABER ich hatte einen interessanten Weg. Teile des Trails waren noch mit Schnee bedeckt und man konnte sehen, dass es dort ein paar Schneelawinen gegeben hat, die Teile des Wegs verschüttet hatten. Und da die Strasse zum Lake Moraine erst heute (Dienstag) früh geöffnet wurde, waren erst ein paar Leute (genau genommen: Nur die erste Wandergruppe, mit der ich bis zum Gabelpunkt gelaufen war) überhaupt über diese snow crossings (siehe Foto unten) gewandert. Nach jeweiligem, kurzem Zweifeln bin ich dann auch mit einem komischen Gefühl im Bauch über alle crossings gelaufen. Ist aber zum Glück nichts Wildes passiert.

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Eine der snow crossing. Hier mit einem Höhenanstieg von ca. 2 Metern und einem sichtbar verschütteten Wanderweg.

Nachdem ich dann beim Eiffel Lake angekommen bin, habe ich meine alte Wandergruppe vom frühen Morgen wieder getroffen. Die haben dort etwas länger Pause gemacht und sich den See aus der Nähe angeguckt. Darauf habe ich dann verzichtet, da die Aussicht auf den Lake schon von oben nicht soooo spektakulär war und ich auch keine Lust mehr hatte, eine Schotterpiste komplett runter und wieder rauf zu klettern. An dieser Stelle mache ich einfach mal ein schlechtes Wortspiel, ziehe mir den Ärger von Werner zu und schreibe: Was hat die Eif(f)el schon jemals Spektakuläres zu bieten gehabt? 🙂 Also man konnte da runter zum Lake laufen, musste man aber meiner Ansicht nach nicht. Und nach drei Tagen Dauerbelastung für die Beine wollte ich es auch nicht überstrapazieren. Ich habe dann dort nur ein bisschen verweilt, habe die Gruppe relativ schnell wieder eingeholt und bin mit ihnen zurück zum Lake Moraine gelaufen. Auf dem Weg dorthin hatte ich mit einem der Kalifornier eine sehr nette und interessante Unterhaltung über Politik, die aktuellen Präsidentschaftskandidaten (Clinton und Trump beide Scheisse, Sanders leider ohne reelle Chance) und Waffen in den USA. Sehr spannend und unterhaltsam das Ganze.

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Teilweise zugefrorener Eiffel Lake in der Mitte bes Bildes. Einen Besuch aus der Nähe wert???

Nach einer herzlichen Verabschiedung sind wir dann alle wieder unserer Wege gegangen. Ich habe mich erstmal gemütlich am Lake Moraine hingesetzt, die Füsse ins eiskalte und klare Wasser gehalten und mal nachgerechnet, wie viele Kilometer ich gelaufen bin. Müssen rund 17 Kilometer gewesen sein, allerdings mit ein bisschen weniger Höhenkilometern als am Montag beim Wandern am Lake Louise.

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Erfrischend kaltes Wasser im Lake Moraine. Sehr wohltuend nach einem Wandertag.

Den aktuellen Blogeintrag habe ich teilweise heute morgen im Laundromat (Wäscherei) in Canmore und teilweise heute Abend in einer Lodge bei den Sunwapta Falls geschrieben. Hier gibt es tatsächlich mal gar keinen Telefonempfang und ich kann nur über das langsame WiFi der Lodge (über Satellit) ins Internet gehen. Aber es reicht, um den Blogeintrag zu Ende zu schreiben. Ach ja, fehlt noch der Musiktipp für heute.

Wer die Musiktipps aus den bisherigen Blogeinträgen verfolgt hat, weiss mittlerweile, dass ich ein grosser Fan vom British Metal bin. Neben Iron Maiden, Judas Priest und Saxon gibt es für mich noch eine vierte britische Band, die ich zu meinen Favoriten zähle. Leider wird man diese Band nicht mehr live sehen können und ein weiteres Album ist auch nicht mehr zu erwarten. Aber im letzten Dezember hatte ich das Glück, Motörhead zusammen mit meinem Bro nochmal live in Düsseldorf zu sehen, knapp 3 Wochen bevor Lemmy Kilmister gestorben ist. Auch wenn wir damals das Konzert (Motörhead mit Saxon und Girlschool als Vorbands) nicht sooo doll fanden, bin ich im Nachhinein doch sehr dankbar, mit meinem Bruder dagewesen zu sein. Wenn man bedenkt, dass da ein schwer krebskranker Lemmy gesungen hat, der knappe 3 Wochen später gestorben ist, war das Ganze schon sehr sehr bemerkenswert. Daher ist der heutige Musiktipp auch ihm gewidmet und ich spare mir absichtlich, auf “Ace of Spades” hinzuweisen. Das wäre zu platt. Vielmehr gibt es ein für Motörhead eher ungewöhnliches Lied mit etwas melancholischen Parts vom Album “Snake Bite Love”:

Motörhead – Dead and gone

11. Banff – Lake Louise

Canmore, Kanada, 25.05.2016

Seit dem letzten Eintrag sind jetzt schon ein paar Tage vergangen und eigentlich wollte ich schon gestern was geschrieben haben. Habe mich dann aber spontan gegen schreiben und für schlafen entschieden. War etwas müde gestern nach einem längeren Tag. Aber immer der Reihe nach. Ich werde die letzten beiden Tage als separate Einträge in den Blog bringen und fange jetzt erstmal mit dem Montag, 23.05., an. Ich werde versuchen, heute auch noch den Eintrag für den 24.05. zu machen, muss aber mal gucken wie ich das zeitlich hinbekomme. Muss um 11:00 Uhr aus dem Hotel auschecken, danach Wäsche machen und dann weiter in Richtung Jasper fahren. Wenig Zeit zu schreiben, fürchte ich. Aber mal gucken. Jetzt erstmal der Bericht von Montag…

Vorgestern bin ich früh morgens von Canmore zum Lake Louise gefahren und war dort erstmal über die Masse der dort herumlaufenden Asiaten verwundert. Und die meisten von Ihnen waren praktisch pausenlos damit beschäftigt, Fotos zu machen. Mit Smartphone, Kamera, Tablet, mit und ohne Selfie- Stick, Gruppenfoto,… Ganz schön schwierig, dort irgendwo lang zu gehen, ohne jemandem ins Bild zu laufen. Ich bin dann relativ schnell geflüchtet und habe mich mit Rucksack auf den Weg um den See herum gemacht. Und siehe da, je weiter man gegangen ist, desto weniger Leute waren noch da. Nachdem ich am anderen Ende des Lake Louise angekommen war, war dann niemand mehr da. Das war so schön, dass ich spontan entschlossen habe, einfach weiter zu gehen und eine Runde zu wandern. Mein genauer Wanderweg kann auf der folgenden Karte nachverfolgt werden:

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Wanderweg:  Lake Louise, Big Beehive, Lake Agnes, Little Beehive, Lake Mirror, Lake Louise

Der Wanderweg war unglaublich schön und man hat viele atemberaubende Ausblicke geniessen können. Allerdings auch ziemlich anstrengend das Ganze mit vielen Höhenmetern und einer Gesamtleistung von ungefähr 16 Kilometern. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt und es war ein echt wunderschöner Tag. Ich könnte hier gut 50 schöne Fotos posten aber das würde den Rahmen des Blogs sprengen. Also beschränke ich mich auf ein paar wenige und erzähle zu jedem Foto ein bisschen was.

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Hütte am “Big Beehive Lookout”

Den ersten Zwischenhalt auf meiner Wanderung habe ich am Big Beehive Lookout gemacht. Bis dorthin war es zwar ein steiler Anstieg (ca. 500 Höhenmeter), aber der Weg war schneefrei und bis auf ein paar umgekippte Bäume gut begehbar. Dort oben auf 2270 Höhenmetern fing dann aber der Spaß mit dem Schnee an. Zum Teil lagen da noch deutlich mehr als 20 cm und wenn man Pech hatte, konnte man auch schonmal bis zum Knie oder der Hüfte einsinken. Dafür war die Aussicht von dort oben einfach atemberaubend, vor allem auf den Lake Louise mit seiner ungewöhnlichen Färbung. Anbei nur drei der Bilder, die ich von dort aus gemacht habe.

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Lake Louise von oben, aus Sicht des Big Beehive Lookouts

 

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Gegenüberliegende Bergformation, aus Sicht des Big Beehive Lookouts
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Der noch zum Teil gefrorene Lake Agnes aus Sicht des Big Beehive Lookouts

Dort oben am Big Beehive Lookout habe ich mir dann auch erstmal in der Sonne eine Pause gegönnt und etwas gegessen. Interessanterweise hatte man dort oben guten Handy- Empfang und ich konnte ein bisschen mit Micha, Werner, Glenn und Jana über WhattsApp schreiben. Hat Spaß gemacht! Und dann hat es nicht lange gedauert, bis ich Gesellschaft bekommen habe. 🙂 Ich denke, die Tiere sind hier aufgrund des regelmäßigen Kontaktes zu Touristen nicht mehr ganz so scheu. Das Squirrel war jedenfalls sehr neugierig und hat mich erst nach einigen Minuten in Ruhe gelassen…

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Gesellschaft bei der Pause am Big Beehive Lookout

Nach der Pause habe ich dann überlegt, wie ich weiter wandern soll. Auf der anderen Seite des Big Beehive Lookouts lag der Lake Agnes, aber der Weg dort herunter sah echt abenteuerlich aus. Grosse Teile des Weges noch mit Schnee bedeckt und zum Teil war der Weg nicht breiter als 20cm. Auch gab es ein paar Passagen, wo man im Schnee steil herunter kraxeln musste ohne irgendwas vom darunter liegenden Erdreich sehen zu können. In den Situationen hatte ich schon ein komisches Gefühl im Bauch, dass vielleicht ein Schnee- oder Erdrutsch den Abstieg etwas beschleunigen könnte. Ist aber alles gut gegangen und war eine interessante Erfahrung. am Lake Agnes habe ich mir dann erstmal die Gegend angeguckt und im Westen nach einem Weg gesucht. Da war aber nichts, also bin ich entlang des Lakes in Richtung Teahouse gelaufen.

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Abstieg vom Big Beehive zum Lake Agnes. Man beachte die “Z”- Muster im Hang
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Zugefrorener Lake Agnes mit Teahouse am Ende des Lakes

Am Teahouse angekommen, habe ich überlegt, ob ich noch zum Little Beehive Lookout gehen soll oder nicht. Und eigentlich hatte ich auch keine echte Lust mehr, also habe ich mich auf den Weg zum Mirror Lake gemacht. Auf halber Strecke habe ich dann aber ein deutsches Ehepaar getroffen, die mir geraten haben, doch noch zum Little Beehive Lookout zu wandern. Also gut, was tut man nicht alles für einen guten Ausblick. Ich habe dann doch noch den Umweg zum Little Beehive Lookout genommen und es war auch von dort aus ein echt toller Ausblick. Alleine die zusätzlichen Höhenmeter dorthin waren etwas störend, aber was soll man machen?

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Blick vom Little Beehive Lookout auf Lake Agnes (links), Mirror Lake (unten mitte) und Big Beehive (Berg rechts)

Vom Little Beehive Lookout bin ich dann mit einem Zwischenstopp beim Mirror Lake zurück zum Lake Agnes gelaufen. Mirror Lake ist mit Abstand der Kleinste der drei Lakes und er ist eher unspektakulär. Aber nach so einem Tag der Superlative sicherlich kein Grund enttäuscht zu sein. Ich hatte einen bombastischen Tag und habe die tolle Natur in vollen Zügen genossen. Als letztes Bild habe ich noch eine Aufnahme, auf der man den Lake Louise und beide Beehive Lookouts sehen kann. Lake Agnes liegt rechts hinter dem Big Beehive Lookout und der Mirror Lake liegt vor und unterhalb von ihm. Beide Lakes sind in dem Foto nicht einsehbar…

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Big Beehive Lookout (mitte) und Little Beehive Lookout (rechts)

 

Als Musiktipp gibt es heute einen passenden Titel von Saxon. Tut mir leid, dass es wieder British Metal ist, aber die Musikrichtung ist einfach zu gut. Dieser Titel gehört auch zu meinen Favorites und kommt von dem Album “Innocence is no excuse”.

Saxon – Call of the Wild

 

 

 

10. Halbmarathon Red Deer

Canmore, Kanada, 22.05.2016

Es ist Sonntag, früh Abends, ich sitze im Hotel “Mountain View” in Canmore, habe die Füsse hochgelegt und schlürfe an einem Becher Captain Morgan/ Cola. Sehr entspannt nach einem solchen Tag. Ja, der Tag hatte es schon etwas in sich. Aufgestanden bin ich um 6 Uhr, um möglichst früh Frühstück im Hotel in Red Deer zu bekommen. Hätte ich gewusst, was mich da erwarten würde, hätte ich lieber ein paar Minuten länger geschlafen. Nach einem Blick aus dem Fenster hatte ich spontan gar keine Lust mehr, den Halbmarathon zu laufen. Das Wetter war richtig schlecht zum Laufen und ich habe mit dem Gedanken gespielt, einfach nicht hin zu gehen. Dann hat mich aber der Ehrgeiz gepackt und ich habe mir gedacht, dass ich noch blöderes Wetter bei so manchem Bundeswehr- Lehrgang hatte und es mit Sicherheit auch dieses Mal überleben würde. Also bin ich nach dem “Frühstück” zum Halbmarathon gefahren, habe schnell einen Parkplatz gefunden und dann auf den Start gewartet. Mit “warm machen” war nix, weil es draussen nette 3 Grad kalt war mit Dauerregen und Wind. Das hat sich auch den ganzen Lauf über mal gar nicht geändert. Blöd an der Sache war dann, dass ich keine lange Laufhose dabei hatte und auch irgendwie nicht an meine Handschuhe gedacht habe. Jaja, die gute Vorbereitung. Sonst eine meiner Stärken, heute halb verpennt. Aber ich habe immerhin meinen Löffler- Pulli dabei gehabt, so dass ich wenigstens vom Oberkörper her gut versorgt war. Und meine Mütze natürlich, die man auch über die Ohren ziehen kann. 🙂 An dieser Stelle muss ich einfach mal Schleichwerbung für den Löffler- Pulli machen. Das Teil habe ich damals 2003 gekauft und es war schweineteuer. Aber es hat mich während diverser Bundeswehr- Aufenthalte im Freien, während der Kanada- Tour 2005 und auch jetzt nie im Stich gelassen. Ich habe keine Ahnung was ausser Fleece noch in dem Teil verarbeitet ist, aber es hält auch dann noch warm, wenn es nass ist. Und es ist mehr als einmal ein echter Lebensretter gewesen. So auch heute. Während alles (auch Füße/Socken) an mir schon nach Kilometer 5 nass und kalt war, war mein Oberkörper noch warm und gut behütet. Das ist zum Glück auch den Rest des Laufs so geblieben. Insgesamt war der Lauf mal echt wieder eine neue Erfahrung. Die Beine waren so kalt und schwer, dass ich nicht mal gemerkt habe, ob mir irgendein Muskel weh getan oder nicht. Gegen Ende des Laufs sind mir beide Daumen an der Hand taub geworden, weil der Körper anscheinend die Durchblutung auf die wesentlichen Körperteile beschränkt hat. Das Trinken während des Laufs war auch alternativ. Wenn man eiskaltes Wasser bekommt, was macht man dann damit? Alles sofort schlucken ist bestimmt keine so prickelnde Idee. Ich habe mich dann daran erinnert, was unsere Ausbilder auf dem Einzelkämpferlehrgang zu uns gesagt haben: Wenn das Wasser kalt ist, behalte es so lange im Mund, bis es aufgewärmt ist. Dann trink in kleinen Schlucken, auch wenn du durstig bist. Genau das habe ich dann gemacht und es hat gut geklappt. Nur bisschen blöd, dass man dann eine Zeit lang ausschliesslich durch die Nase ein- und ausatmen muss. Aber ging schon irgendwie. Während des Laufens habe ich auch meine Musik vermisst, da ich wegen des Regens mein Handy nicht mitgenommen habe. Glaube bei der Menge an Regen hätte das Teil auch irgendwann seinen Geist aufgegeben. Also gute Entscheidung, es nicht mitzunehmen. Am Ende war der Lauf aber trotz aller Widrigkeiten eine gute und schöne Erfahrung. Die anderen Läufer waren allesamt gut drauf und haben coole Scherze gemacht, z.B. kurz vor dem Start: “Oh fuck, I forgot to put my sunscreen on” oder am Organisationsstand: “Can I still run the 2 Kilometers instead of the marathon, please?” Allgemeines Gelächter rundherum. 🙂 Was mich auch gewundert hat, war, dass an der Strecke trotz des total blöden Wetters jede Menge Leute gestanden haben, um die Läufer anzufeuern. Echt ein super Gefühl, wenn man kaputt ist und einem jemand Mut zum Weitermachen zuspricht. Hat mich immer wieder motiviert, weiter zu laufen. Ach ja, und dann habe ich noch jede Menge nette Leute während des Laufs getroffen. Einen Niederländer aus Alkmaar, der mich wegen meines Lidl- T-Shirts angesprochen hat. Er meinte “schneller bitte” und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich habe dann wie gewünscht schneller gemacht aber er war dann leider etwas zu langsam für mich und konnte ab Kilometer 6 nicht mehr mithalten. Und dann war da der etwas ältere Mann, den ich wegen seiner Laufschuhe angesprochen habe. Seine Schuche sahen aus wie Füße und beim Auftreten klang es so, als ob er Sandalen an hat. Aber er meinte sie wären super und sehr bequem. So hat man sich immer wieder zwischendurch beim Lauf auch unterhalten und gegenseitig gepusht. Komischerweise hatte ich bei diesem Lauf das erste Mal seit Monaten wieder Seitenstechen. Das ging auch erst wieder weg, nachdem ich zwei Kilometer lang meine Laufgeschwindigkeit reduziert habe und deutlich langsamer lief. Mal gucken, ob das beim nächsten Halbmarathon auch so sein wird. Den laufe ich am 29.Mai (also heute in einer Woche) in Grand Cache, nördlich vom Jasper Nationalpark. Nennt sich “Mountain Madness Run”. Ich bin gespannt. Jetzt aber erstmal ein paar Bilder vom Lauf in Red Deer. Das Titelbild (siehe oben) ist die Zielgerade, aus Sicht des Ziels.

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Der gute Woody, das Maskottchen des Laufs. Mit mir. 🙂
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Unglaublich: Selbst bei 3 Grad wird gegrillt und es gibt BURGER beim Marathon!!!!

 

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Meine Ausrüstung. Rechts ist die Alufolie, die man im Ziel sofort umgelegt bekommen hat.

Beim Zieleinlauf wurde dann jeder Finisher mit Namen und Stadt begrüsst und bei mir meinte der Kommentator dann wohlwollend: “…FROM GERMANY!!!”. Schon eine nette Geste. Sehr aufmerksam war auch, dass man sofort nach dem Zieleinlauf von Helfern eine Thermo- Alu- Decke um den Oberkörper gelegt bekommen hat. Insgesamt bin ich mit 1 Stunde und 42 Minuten dann doch etwas hinter meinen eigenen Erwartungen zurück geblieben. Aber für die Laufbedingungen war es akzeptabel. Trotz der grossen Hitze beim Trollinger Halbmarathon glaube ich, dass die dortigen Bedingungen zum Laufen doch erheblich besser waren als die Kälte und Nässe heute.

Nach dem Lauf durfte man sich dann darüber wundern, dass es dort tatsächlich einen Grillstand gab, an dem Patties für Burger gegrillt wurden. Die Burger waren sogar kostenlos und ich hätte mir auch einen holen können. Irgendwie fand ich das aber komisch und habe mir nur einen Apfel, eine Viertel- Orange und etwas Wasser mitgenommen. Dann schnell im Auto die nassen Sachen ausgezogen, in trockene Sachen geschlüpft und zurück ins Hotel gefahren. Dort hatte ich schon abgesprochen, dass ich später als normal auschecken würde (“Late checkout”). Also konnte ich noch in Ruhe duschen, meine Sachen packen und mich dann in Ruhe auf den Weg nach Canmore machen. Vorher habe ich aber noch beim “Glenn’s” angehalten, dort ein spätes “Frühstück” mit Tee genossen und ein Teil des Eishockey- Finals zwischen Kanada und Finnland gesehen. Endstand 2:0 für Kanada, also sind sie wieder Eishockey- Weltmeister, Cheers! 🙂 Danach habe ich mir noch einen Kaffee Mocka und einen “Apple Oatmeal”- Muffin bei der Donut Mill als Wegzehrung geholt.

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Glenn’s Diner in Red Deer
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The Donut Mill in Red Deer

Anschliessend bin ich nach Canmore gefahren und habe dort mein Hotel bezogen. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Jo Anne, die mir angeboten hat, bei ihnen nochmal einen Zwischenstopp in Olds zu machen, da das Wetter aktuell nicht so doll zum Fahren ist und zum Teil schon Schnee vorhergesagt wurde. Wegen des engen Zeitplans habe ich mich dann aber doch dazu entschlossen, sofort nach Canmore zu fahren, ohne Zwischenstopp. Schon schade, denn Jo Anne und Doug hätte ich gerne nochmal getroffen. Canmore liegt in der Nähe von Banff und von hier aus werde ich in den nächsten 2 Tagen Lake Louise und die Columbia Icefields besuchen. Wenn nichts anderes dazwischen kommt. Heute Nachmittag habe ich dann nur noch etwas eingekauft (u.A. “Bearspray”) und mir die “Stadt” angeguckt. Interessanterweise ist hier mal einfach alles erheblich teurer als in Edmonton oder Calgary. Wahrscheinlich kommt das wegen der Touristen hier. Jedenfalls denke ich, dass ich für die kommenden Tagesausflüge (hauptsächlich Wandern und Natur) ganz gut vorbereitet bin. Da ich Abends immer wieder im Hotel sein werde, ist meine Ausrüstung auf ein Minmum beschränkt, siehe Foto. Also nur leichtes Gepäck…

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Canmore Innenstadt mit tief liegendem Nebel in den Bergen
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Park mit Spazierweg in Canmore
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Ausrüstung für die kommenden Wandertouren in der Wildnis. Bearspray = rechts oben.

So, zu guter Letzt gibt es wie immer den Musiktipp. Heute wieder Rockmusik aus England, dieses Mal von Judas Priest. Das Lied passt auch gut zu den Bedingungen des heutigen Halbmarathons, es ist aus dem Album “Turbo”. Aber auch sonst ist es eines meiner absoluten Lieblingslieder von dieser coolen Band. Nochmals vielen Dank an Andreas Bramer, mit dem ich 2015 den Nestor Cup gewonnen habe, und der mich erst auf die Band aufmerksam gemacht hat.

Judas Priest – Out in the cold

9. Edmonton

Red Deer, Kanada, 21.05.2016

Mittlerweile ist es Samstag, 21.05.2016, 21:00 Uhr Ortszeit und ich sitze in einem Hotelzimmer in beschaulichen Städtchen Red Deer. Wenn ich so aus dem Fenster gucke, sehne ich mich schon nach den trockenen und sonnigen Tagen der letzten Woche zurück. Vor allem weil morgen früh der Halbmarathon ansteht und Laufen im Regen mal kaum Spaß macht. Meine Laufsachen habe ich jedenfalls heute schon abgeholt, so dass ich dann morgen einfach nur noch da sein und loslaufen muss. Also ganz entspannt….

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Ziel vom Halbmarathon in Red Deer am 22.05.2016

Aber nun erstmal zurück zu den Edmonton- Tagen. Am Donnerstag bin ich nach dem Schreiben vom Blog erstmal eine grosse Runde laufen gegangen. Danach haben Shawn und ich etwas gegessen und ich bin alleine weiter zum Muttart Conservatory gefahren. Beim Muttart Conservatory handelt es sich um 4 Pyramiden mit jeweils eigener Biosphäre, entsprechendem Klima und den dazugehörigen Pflanzen. Aus Platzgründen beschränke ich mich hier darauf, neben dem Titelfoto (siehe oben) und dem Foto einer Pyramide nur ein Foto aus der “Arid”- Biosphäre zu zeigen.

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Vegetation in der “Arid”- Biosphäre
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Eine der 4 Pyramiden des Muttart Conservatories

Wer jetzt gerade gedacht hat: “Mensch, das ist irgendwie neblig in Edmonton” oder “Man kann ja gar nicht die Sonne über der Pyramide sehen”, der hat das besondere Wetter am Donnerstag in Edmonton gut erkannt. Ab Nachmittags roch es überall in der Stadt stark nach Rauch und Feuer und die Stadt lag unter einer Nebel- bzw. Aschewolke. Das waren direkte Auswirklungen der Waldbrände bei Fort McMurray, deren Rauchwolken bei entsprechenden Windverhältnissen bis nach Edmonton hineinziehen. Eine echt interessante Erfahrung für die Augen und die Lunge. Zum Glück war das nur am Donnerstag so und ab Freitag nicht mehr. Wäre aber am Freitag auch nicht so schlimm gewesen, da ich an dem Tag wenig an der frischen Luft war. Ich habe erstmal den Großteil des Tages in der West Edmonton Mall verbracht, mir die Mall angeschaut und natürlich auch eine Menge eingekauft. Zugegeben, das war schon ein Erlebnis. Neben hunderten Geschäften hat man da auf 2 Etagen unter anderem die folgenden Sachen in der Mall untergebracht: Einen Erlebnis- Minigolfkurs, eine Grossfläche zum Eislaufen (wurde am Freitag genutzt für eine Autoshow von Toyota), ein Erlebnis- Schwimmbad mit zig Wasserrutschen, eine riesige Wasserfläche mit begehbarem Piratenschiff und Showbecken mit dressierten Robben, etc….

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Showbecken mit dressierten Robben, rechts der Bug des Piratenschiffs
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Erlebnisbad in der West Edmonton Hall
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Spendenstation für die Einwohner von Fort McMurray

Was mich an dem Tag auch stark erstaunt hat, war, dass viele Geschäfte zum Spenden für die Bewohner von Fort McMurray aufgerufen haben. Zudem können die Bewohner von Fort McMurray derzeit bei vielen Geschäften in der Mall mit individuellen Preisnachlässen in Höhe von bis zu 25% rechnen. Man sorgt sich hier wirklich um das Wohlergehen der stark gebeutelten Mitmenschen, was ich nur begrüssen kann.

Am Freitag Abend sollte es dann eigentlich zum Konzert der Band “Brian Jonestown Massacre” gehen. Leider wurde daraus nix, da die Jungs wohl Probleme bei der Einreise nach Kanada hatten. Also sind Jaime, Shawn und ich zunächst etwas essen gegangen und sind dann weiter in eine Bar ins Stadtzentrum gefahren. Dort haben wir es aber aufgrund der nicht unbedingt weltbewegenden Live- Musik nicht allzu lange ausgehalten. Immerhin weiss ich jetzt, wie Bier mit echten Himbeeren drin schmeckt und das man auch Bier mit Blaubeer- Geschmack brauen kann. Interessante Geschichte das…

Heute morgen sind wir relativ spät aufgestanden und haben uns dann dazu entschlossen, beim “Escape City”- Laden vorbei zu schauen. Der Laden bietet Rätselspiele an, die wie folgt ablaufen: Man wird ohne Hilfsmittel in einen Raum gesperrt und muss nacheinander eine Menge unterschiedlicher Rätsel lösen, die einem am Ende das Entkommen aus dem Raum ermöglichen. Das Ganze sollte man in 45 Minuten schaffen, die Profis brauchen dafür aber nur etwas mehr als 20 Minuten. Jaime, Shawn und ich haben uns für einen moderat schweren Raum entschieden und auch viele Rätsel lösen können. Am Ende haben wir es aber doch nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft. Das lag mit Sicherheit auch daran, dass wir uns deutlich über 10 Minuten damit aufgehalten haben, nach einem Hinweis zu suchen, den wir gar nicht finden konnten. Die Mitarbeiter des Ladens hatten beim letzten “Zurücksetzten” dieses Raumes vergessen, den für uns nicht zugänglichen Ball zurück in die dafür vorgesehene Schatzkiste zu tun. So haben wir dann nach dem Lösen des ersten Rätsels eine leere Schatzkiste gehabt und uns halt erstmal lange Zeit gewundert, was man mit dem leeren Teil jetzt weiter machen soll. Wie auch immer, es war trotzdem eine coole Geschichte und hat viel Spass gemacht. Muss mal gucken ob es sowas auch in London gibt. Würde das gerne nochmal machen, war schon echt amüsant. Nach dem Rätseln haben wir im Fischrestaurant DaDeO auf der Whyte Avenue etwas gegessen und sind anschliessend ins Board Game Café gefahren. Super cooler Laden. Man kann dort alle möglichen Spiele (gesehen habe ich u.A.: Caverna, Agricola, Dominion, Seasons, Smash Up, Puerto Rico, Istanbul, Dominant Species, Terra Mystica, Innovation,…) spielen und sich dabei natürlich auch Drinks holen. Ziemlich klar, wo ich häufiger wäre, wenn ich in Edmonton leben würde. 🙂

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Board Game Café von aussen, Edmonton
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Regal mit Brettspielen (nur ein Teil der vorhandenen Sammlung)

Nach dem Besuch im Board Game Café habe ich dann meine Sachen gepackt und bin losgefahren in Richtung Red Deer. Ich blicke auf ein paar echt schöne Tage in Edmonton mit Jaime, Shawn und einer verschmusten Katze (“Kitty”) zurück. An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank und liebe Grüsse an Jaime und Shawn, die mich mit viel Herzlichkeit und Offenheit empfangen haben und mir tolle Gastgeber waren. 🙂

Ach ja, bevor ich vergesse es zu berichten: Es gab noch eine interessante Fortsetzung der Geschichte mit Marmy, dem Murmeltier. Wie sich herausstellte, war Marmy schwanger und hat zunächst eines ihrer Babys im Auto auf der Fahrt in die Wildlife Auffangstation bekommen und ihr Zweites dann in der Auffangstation selber. Mutter und Kinder bleiben jetzt erstmal dort unter Beobachtung, werden dann aber wieder ausgewildert wenn die Kleinen halbwegs selbstständig sind. Jedenfalls erklärt dieser Umstand jetzt auch, warum sich Marmy sowohl im Jeep von Jo Anne und Doug als auch in deren Garage unbedingt ein Nest bauen wollte. Die Fotos hat mir Jo Anne netterweise geschickt. So ist der Abschluss dieser Story nicht nur auf ihrer Facebook- Seite, sondern auch hier im Blog nachzulesen…

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Gwen mit Marmy in der Lebendfalle, Garage von Jo Anne und Doug
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Marmy auf dem Weg in die Auffangstation

Da das Konzert vom “Brian Jonestown Massacre” ausgefallen ist, kann und will ich jetzt hier keinen Musiktipp dieser Band veröffentlichen. Anstatt dessen gibt es jetzt einen Tipp aus der Kategorie “Deutscher Gangsta- Rap: Muss das sein???”. Ja, es muss. Auch deshalb weil Kollegah selbst nicht müde wird zu betonen, dass er Deutsch- Kanadier ist. Wofür ich ihn beneide, da er damit sehr viel einfacher hierhin auswandern kann als jemand ohne die kanadische Staatsbürgerschaft. Und ein paar seiner Lieder kann man sich wirklich gut geben. Denn neben der oft ziemlich stumpfen Text- Oberfläche der Lieder (ja, alles voll Gangsta und so….) sind die Lieder schon künstlerisch und technisch ansprechend gestaltet mit Doubletime, guten Flows, mehrsilbigen Reimketten und Wortspielen. Da steckt eine Menge Arbeit, Gehirnschmalz und Präzision drin. Aber das erkennt man nur, wenn man sich damit etwas eingehender auseinander setzt und sich nicht vom Text abschrecken lässt. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, die Alben von ihm gekauft zu haben. Der folgende Track stammt aus dem “Zuhältertape Vol.4”, was sich rein inhaltlich nicht so weltbewegend unterscheidet von “Bossaura”, “King” oder “Zuhältertape Vol.3”. Aber sei’s drum… 🙂

Kollegah – Wall Street